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"Die Revolution der Druckerzeugnisse" ist Titel für die Polarisierung, die der Überschrift zu diesem Eintrag ("Kommunikationsguerilla versus Culture Jamming") vorangeht. taz-redakteur Ulrich Gutmair verfasste für die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebene Zeitschrift Fluter (online: fluter.de (28.9.2007) einen gar nicht mal so uninformierten Artikel über unsere Differenzen mit den CulturJammern und den Konsumkritikern à la Buy-Nothing-Day


"(...) Aber auch wenn niemand mehr ernsthaft an eine baldige Revolution glaubte, so konnte man immer noch Sand ins Getriebe der täglichen Zumutungen streuen. Im "Handbuch der Kommunikationsguerilla" von 1997 ist etwa zu lesen: "Das Konzept Kommunikationsguerilla ist Teil eines Prozesses, in dem gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse kritisiert und angegriffen werden – neuer und alter Nationalismus, Sexismus/Patriarchat, Rassismus und die mit ihnen verknüpfte kapitalistische Produktionsweise."

"Subversion" war seit den 1980ern das Zauberwort, das den taktischen Umgang mit Medien und Öffentlichkeit benannte, der in allen denkbaren Formen durchexerziert wurde – bis sich Mitte der neunziger Jahre auch Werbeagenturen der Idee annahmen. Heute werden städtische Orte und Medien, die als hip gelten, im Wochentakt mit so genannten Guerilla-Marketing-Kampagnen überzogen. Diese bedienen sich dabei der Techniken und Konzepte, die in den letzten Jahrzehnten von kleinen Aktivistengruppen perfektioniert und in verschiedenen Buchprojekten festgehalten worden sind.

"Steal This Book", das "Handbuch der Kommunikationsguerilla" oder auch "Culture Jamming" von Kalle Lasn haben eines gemeinsam: Sie verstehen sich nicht als politische Programme und sie führen nur nebenbei theoretische Diskussionen darüber, wie und welche Politik im engeren Sinn gemacht werden soll. In erster Linie sind es Handbücher für die Praxis der Kommunikation – beziehungsweise der Unterbrechung und Kritik bestehender Diskurse und Botschaften. Diese Bücher handeln davon, wie man bestimmte Inhalte etwa der Massenmedien und der Werbung unterwandert und eigene Botschaften übermittelt – und zwar möglichst auf eine Art und Weise, die Spaß machen soll.

Der Unterschied zwischen dem "Handbuch der Kommunikationsguerilla" und "Culture Jamming" besteht aber unter anderem darin, dass die Autoren des "Handbuchs" Linke im klassischen Sinn sind – Linke, die noch eine Idee haben von Klassengegensätzen und Rassismus, die es zu überwinden gelte. In Kalle Lasns Buch hingegen gibt es keinen Bezug auf Gesellschaftstheorien, nur eine antikonsumistische Moral des Verzichts, die sich auf die Vorstellung beruft, dass das wirtschaftliche Wachstum nicht endlos weitergehen könne, ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

Die Adbusters und Culture Jammers rund um Kalle Lasn formulierten, so kritisieren daher die Autoren/innen des "Handbuchs", "eine moralisierende oder an bestimmten Produkten orientierte Konsumkritik, ohne die Bedingungen der kapitalistischen Warenproduktion grundlegend in Frage zu stellen". Lasn selbst schreibt: "Es hat damit zu tun, unsere Konsumkultur weniger cool zu machen, das Echte und etwas von dem wiederzufinden, was verloren ging, seit der Konsumismus zur Religion der 'Ersten Welt' geworden ist."

Was aber ist das "Echte"? Es gehe darum, meint Lasn, "spontan, authentisch und lebendig zu sein". Das allerdings klingt selbst verdächtig nach einem Slogan, mit dem man heute Turnschuhe, Handys und MP3-Player verkauft. Wie heißt es bei Sprite ganz im Sinne Lasns: "Image ist nichts, Durst ist alles."


Abbie Hoffman: Steal This Book (Four Walls Eight Windows 2002, 11.50 €)
Autonome A.F.R.I.K.A. Gruppe: Handbuch der Kommunikationsguerilla (Assoziation A 1997, 16 €)

Kalle Lasn: Culture Jamming (Orange Press 2005, 20 €)
 

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