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Zum Begriff der Kommunikationsguerilla

Die Süddeutsche Zeitung (17.6. 2008) berichtet, dass ein CSU-Funktionär weiss, wie man Flugzeuge am Starten hindert:

Drohanruf "im Namen Allahs" Bombendrohung durch CSU-Mann


Ein Funktionär der Jungen Union legte mit einer fingierten Bombendrohung den Flughafen Verona lahm, weil er unbedingt seinen Flieger noch erreichen wollte.


Das macht den Unterschied aus. Der Drohanruf des Münchner CSU-Funktionärs mag auf den ersten Blick mit den Mitteln der Kommunikationsguerilla arbeiten. Aber das was sich dieses Bürschchen leistete, ist Terrorismus und nicht eben nicht Guerilla.

Johannes Grenzfurthner (monochrom) will talk about guerrilla communication @ SXSW Interactive.

The term guerrilla communication refers to unconventional forms of communication and/or intervention in more conventional processes of communication. Communication guerilla is a specific style of political action drawing from a watchful view of the paradoxes and absurdities of power, turning these into the starting point for political interventions by playing with representations and identities, with alienation and over-identification. The talk's starting point will be a rather trivial insight: information and political education are completely useless if nobody wants to listen. Guerrilla communication doesn't focus on arguments and facts like most leaflets, brochures, slogans or banners. In its own way, it inhabits a militant political position, it is direct action in the space of social communication. But it doesn't aim to destroy the codes of power and signs of control. Communication guerrillas do not intend to occupy, interrupt or destroy the dominant channels of communication, they focus on detourning and subverting the messages transported. But what's new about all this? Nothing. But standing on the shoulders of earlier avantgardes, communication guerilla doesn't claim the invention of a new politics or the foundation of a new movement. It is merely continuing an incessant exploration of the jungle of communication processes, of the intertwined and muddled paths of senders, codes and recipients.

March 11, 2008.
SXSWi / Austin Convention Center
Room C
Tuesday, March 11th
5:00 pm - 6:00 pm

Roland Barthes hat dem "Handbuch der Kommunikationsguerilla" das Motto geliefert. Auf vielfachen Wunsch weisen wir an dieser Stelle das Orginalzitat von "Ist die beste Subversion nicht die, die Codes zu entstellen, statt sie zu zerstoeren?" nach. Das Zitat stammt aus:
Roland Barthes, Sade, Fourier, Loyola, Edition du Seuil (1971), p. 127:

"Tous les libertins ont cette manie, dans leurs plaisirs, de vouloir cacher scrupuleusement le sexe de la Femme. Triple profit. D'abord une parodie dérisoire renverse la morale: une même phrase sert au libertin et au puritain: "Cachez le con, mesdames", dit Gernande indigné à Justine et Dorothée, du même ton que Tartuffe s'adresse à Dorine ("Couvrez ce sein que je ne saurais voir"); la phrase et le vêtement restent en place mais selon des fins contraires, ici pudeur hypocrite, là débauche. La meilleure des subversions ne consiste-t-elle pas à défigurer les codes, plutôt qu'à les détruire?"

AG Grauwacke: Autonome in Bewegung aus den ersten 23 Jahren. Berlin 2003. Verlag Assoziation A.

Ein etwas provinzielles Berliner Buch über die Geschichte "der" Autonomen kann offenbar nicht umhin den Begriff der Kommunikationsguerilla zu würdigen. Nun besteht das Problem der Analyse einer Berliner Sicht ja vor allem darin, dass Berlin alle Provinzler in sich aufgesogen hat und damit sozusagen die ideelle Gesamprovinz darstellt Das Berliner "Hauptstadtorgan" Interim legt davon jede Woch Zeugnis ab. Das dort zum Vorschein kommende "Bewusstsein" lässt einen mitunter schon verzweifeln (aber das ist eine andere Geschichte).

Das Buch widmet in der Beschreibung der autonomen Bewegung in den 90er Jahre der Kommunikationsguerilla ein Unterkapitel (S. 341-358) ohne explizite Bezugnahme auf das "Handbuch der Kommunikationsguerilla". Im Glossar taucht der Begriff "Kommunikationsguerilla" merkwürdigerweise dann gar nicht mehr auf.

In diesem Kapitel beschreiben die Autoren die Berliner Praxis dessen, was sie für Kommunikationsguerilla halten und das ist in toto auch ganz nett. Sie halten KG für Spaßguerilla und bestätigen damit ein hartnäckiges Vorurteil über (Berliner?) Autonome: Sie können und wollen nicht lesen, ansonsten liefe man/frau ja Gefahr als "Studenten" identifziert zu werden.
Dieser Ton ihrer Beschäftigung ist jener autonome (Berliner?) Gestus, der schon selbst zur Klamotte geworden ist und der unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, weil er hoffentlich ein Auslaufmodell ist. Er hat sich mit dem Buch selbst ein Denkmal gestellt und damit könnte es jetzt auch gut sein. Aufschlussreich in Sachen autonomer Selbstrepräsentation, vernachlässigenswert in Sachen KG.

Die Rezension des Grauwacke-Nostalgie-Bandes von Geronimo in der "Interim":
"Auch wenn das vierte Kapitel in dem Buch über die 90er Jahre in vielfältiger Hinsicht das schwächste von allen ist, so ist es doch ein großes Verdienst der Autoren erstmals mit 13 Unterkapiteln sich einmal quer durch das anhaltende rauschen des 90er Jahre-Jahrzehnts geschlagen zu haben. Dabei ist es, und das sei hier nebenbei vermerkt, nicht ganz ohne Ironie, dass das Kapitel über die Techniken der »Kommunikationsguerilla« gleich vor der »Zeit der Verwirrung« abgehandelt wird. Ob das eine vielleicht etwas mit dem anderen zu tun haben könnte? Auch wenn zunächst einmal in Rechnung zu stellen ist, dass hier Erlebnisberichte über militante Aktionen aufgrund von noch nicht abgelaufenen Verjährungsfristen nicht erzählt werden können, wie noch in den vorangegangen Kapiteln: Hier sind die Grauwackeros trotz aller ihnen eigenen Chuzpe, die 80er-Autonomen-Jahre irgendwie auch noch durch die 90-Jahre fortzuschreiben, immer mal wieder- so finde ich - überzeugend vor die Wand gelaufen. Hier transformiert sich der von den Autoren in vielen Passagen über die 80er-Jahre so charmant in Anspruch genommene »streng subjektiv«- Zugang in einer Reihe von Bemerkungen zu einem Ansatz, der gegenüber dem, worüber sie sprechen und Aussagen treffen, eher als »streng ignorant« bezeichnet werden muss. Das ist jetzt ein wirklich bissiger Angriff, der etwas g enauer begründet gehört."
Die ganze Rezension lesen


Vielleicht in diesem Zusammenhang auch lesenswert, die im Grauwacke-Buch sorgsam ausgesparten Medienrandale- Texte I (eins) und II (zwei) der autonomen a.f.r.i.ka.-gruppe zur Kritik autonomer Militanz aus den 90er Jahren.

 

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