KG in der Universitaet
Zufallsfund: Simon Teune vom WZB schreibt in Heft 4/2008 von Psychologie & Gesellschaftskritik über Spaßguerilla seit den 1960ern. Der Text ist ein Vorabdruck aus Dieter Rucht, (Hrsg.) (zus. mit Sven Reichardt): Politischer Protest und Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Bernd Hüttner - am Dienstag, 3. Februar 2009, 08:01 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
"Was ist denn bloß an der Uni Lüneburg los? Erst wurde die frühere Pädagogische Hochschule und spätere Universität in Leuphana, der Name einer antiken Siedlung an der Elbe, umbenannt. Dann wurde im Oktober der ehemalige Präsident der USA, Jimmy Carter, eingeflogen, um die Erstsemester zu begrüßen. Im kommenden Dezember soll gar Arnold Schwarzenegger dort verraten, wie er das Bildungssystem in Kalifornien erfolgreich umgebaut hat. Und während der Uni-Präsident Sascha Spoun emsig dabei ist, die Hochschule und ihr Image völlig umzukrempeln, soll demnächst ein vom Star-Architekten Daniel Libeskind entworfener Audimax entstehen. "Es wird ein Leuchtturm werden", sagt dazu Libeskind. Das behauptet jedenfalls die vermeintlich offizielle Webseite der Hochschule." (Quelle: Telepolis, 19.11.2007)
Die neue Lüneburger Uni hat ihren starken Auftritt hier und bei YouTube:
Die neue Lüneburger Uni hat ihren starken Auftritt hier und bei YouTube:
contributor - am Dienstag, 20. November 2007, 12:18 - Rubrik: KG in der Universitaet
Die Süddeutsche Zeitung (7.6. 2007) veröffentlichte zu ihrem Bericht über die Rebel Clown Army in Heiligendamm eine Fotostrecke mit ziemlich vernünftigen Kommentaren und Bildunterschriften in Form eines Interviews mit Andrea Pabst ("Mit Seifenblasen gegen G8):
Sie ist Soziologin und erforscht in ihrer Dissertation Straßenproteste globalisierungskritischer Bewegungen und die Rolle, die Körper darin haben. In Rostock betreibt sie derzeit Feldforschung. (s.u.)
"Rote Nase statt schwarzem Kapuzenpulli: In Rostock irritieren Demonstranten in Clownskostümen mit ihrem friedlichen Protest und einer neuen Protestkultur die Polizei. Ein bebildertes Interview mit der Soziologin Andrea Pabst.
sueddeutsche.de: Frau Pabst, auf der Demonstration am Samstag sind Leute auf Stelzen mitgegangen, haben sich als Clowns verkleidet, große Puppen aus Pappmaché gebastelt und riesige Schneemänner schweben lasen. Ist diese Kreativität eine neue Protestform?
Andrea Pabst: In der Wissenschaft werden die Proteste gegen die Welthandelsorganisation in Seattle 1999 oft als Einschnittpunkt zitiert. Das kann man sehen wie man will. Aber seit bestimmt zehn Jahren sind Straßenproteste deutlich kreativer geworden - auch, um sich mit der Gewalterfahrung auseinanderzusetzen. Die Clowns zum Beispiel: Sie sagen deutlich, dass sie Angst um ihre Körper haben. Die Verkleidung ist ein Ausdruck ihrer bisherigen Erfahrung bei Straßenprotesten.
sueddeutsche.de: Rote Nase, bunte Perücken, geschminkte Gesichter - schützt die Verkleidung vor körperlicher Gewalt?
Pabst: Am Samstag konnte man tatsächlich erleben, dass Clowns mit ihrer Strategie sogar deeskalierend wirken. Sie gehen ganz nah an die Polizisten heran und machen dadurch eine andere Form von Interaktion möglich. Einmal, als 20 Polizisten auf den Platz der Kundgebung vordringen wollten, haben die Clowns sie gemeinsam mit anderen wortwörtlich zurückgetanzt.
sueddeutsche.de: Warum gerade Clownskostüme?
Pabst: Man könnte ganz plakativ sagen, dass es einfach nicht gut aussehen würde, wenn ein Clown von einem Polizisten niedergeschlagen wird. Und die Polizei hält sich vermutlich auch zurück, weil ihr der Umgang mit solchen Protestformen nicht klar ist. Die Clowns-Taktik funktioniert jedoch nur so lange bis die Polizei gelernt hat, darauf zu reagieren. Dieses Wechselspiel treibt die Entwicklung der Protestformen voran. Wenn die Aktivisten als Clowns die Polizei nicht mehr irritieren können, dann müssen sie sich etwas Neues ausdenken.
sueddeutsche.de: Gelten also schwarze Kapuzenpullis und Tücher vor dem Gesicht in der Protestkultur als rückschrittlich?
Pabst: Man kann beobachten, dass auch Aktivisten, die sich eigentlich dem Schwarzen Block zurechnen würden, schon an Aktionen von Clowns teilgenommen haben. Das ist eben das besondere an Protestformen. Sie sind nicht an eine bestimmte Gruppe gebunden. Jeder kann sich eine Clownsnase aufsetzen. Was er dann damit macht, ist eine ganz andere Frage. Der Schwarze Block tritt zwar homogen auf, ist aber in sich sehr vielfältig. Wenn man jeden einzelnen befragen würde, käme heraus, dass viele von ihnen inhaltlich und theoretisch umfangreich begründen können, warum sie in so einem Schwarzen Block laufen. Und dann gibt es vermutlich auch welche, die es einfach nur aufregend finden, schwarz verkleidet zu sein. Dabei müssen sie nicht unbedingt sagen, au ja, ich wollte schon immer auch mal Steine schmeißen.
sueddeutsche.de: Welche Bedeutung hat der Körpereinsatz bei Protesten?
Pabst: Man sieht das zum Beispiel an Tutti Bianchi aus Italien, die sich nach den Protesten in Genua aufgelöst haben: Die haben ganz bewusst den Einsatz ihrer Körper thematisiert. Sie traten in gepolsterten weißen Anzügen auf und thematisierten in Pamphleten die Verletzbarkeit des Körpers. Die Auseinandersetzung mit dem Körper spielt in den globalisierungskritischen Bewegungen eine immer größere Rolle.
sueddeutsche.de: Werden Sie selbst am Mittwoch ausprobieren, den ganzen Körper als Protestmittel einzusetzen? Nehmen Sie an den Blockaden teil?
Pabst: Ja. Ich finde es spannend, mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen ein ganz konkretes Ziel zu haben: den Gipfel zu blockieren. Es entspricht zudem nicht meinem Wissenschaftsverständnis, mir die Dinge nur von außen anzusehen. Das funktioniert vom Thema her nicht, denn es geht auch um ganz individuelle Erfahrung. Das muss ich schon selbst erleben, um es nachvollziehen zu können."
Sie ist Soziologin und erforscht in ihrer Dissertation Straßenproteste globalisierungskritischer Bewegungen und die Rolle, die Körper darin haben. In Rostock betreibt sie derzeit Feldforschung. (s.u.)
"Rote Nase statt schwarzem Kapuzenpulli: In Rostock irritieren Demonstranten in Clownskostümen mit ihrem friedlichen Protest und einer neuen Protestkultur die Polizei. Ein bebildertes Interview mit der Soziologin Andrea Pabst.
sueddeutsche.de: Frau Pabst, auf der Demonstration am Samstag sind Leute auf Stelzen mitgegangen, haben sich als Clowns verkleidet, große Puppen aus Pappmaché gebastelt und riesige Schneemänner schweben lasen. Ist diese Kreativität eine neue Protestform?
Andrea Pabst: In der Wissenschaft werden die Proteste gegen die Welthandelsorganisation in Seattle 1999 oft als Einschnittpunkt zitiert. Das kann man sehen wie man will. Aber seit bestimmt zehn Jahren sind Straßenproteste deutlich kreativer geworden - auch, um sich mit der Gewalterfahrung auseinanderzusetzen. Die Clowns zum Beispiel: Sie sagen deutlich, dass sie Angst um ihre Körper haben. Die Verkleidung ist ein Ausdruck ihrer bisherigen Erfahrung bei Straßenprotesten.
sueddeutsche.de: Rote Nase, bunte Perücken, geschminkte Gesichter - schützt die Verkleidung vor körperlicher Gewalt?
Pabst: Am Samstag konnte man tatsächlich erleben, dass Clowns mit ihrer Strategie sogar deeskalierend wirken. Sie gehen ganz nah an die Polizisten heran und machen dadurch eine andere Form von Interaktion möglich. Einmal, als 20 Polizisten auf den Platz der Kundgebung vordringen wollten, haben die Clowns sie gemeinsam mit anderen wortwörtlich zurückgetanzt.
sueddeutsche.de: Warum gerade Clownskostüme?
Pabst: Man könnte ganz plakativ sagen, dass es einfach nicht gut aussehen würde, wenn ein Clown von einem Polizisten niedergeschlagen wird. Und die Polizei hält sich vermutlich auch zurück, weil ihr der Umgang mit solchen Protestformen nicht klar ist. Die Clowns-Taktik funktioniert jedoch nur so lange bis die Polizei gelernt hat, darauf zu reagieren. Dieses Wechselspiel treibt die Entwicklung der Protestformen voran. Wenn die Aktivisten als Clowns die Polizei nicht mehr irritieren können, dann müssen sie sich etwas Neues ausdenken.
sueddeutsche.de: Gelten also schwarze Kapuzenpullis und Tücher vor dem Gesicht in der Protestkultur als rückschrittlich?
Pabst: Man kann beobachten, dass auch Aktivisten, die sich eigentlich dem Schwarzen Block zurechnen würden, schon an Aktionen von Clowns teilgenommen haben. Das ist eben das besondere an Protestformen. Sie sind nicht an eine bestimmte Gruppe gebunden. Jeder kann sich eine Clownsnase aufsetzen. Was er dann damit macht, ist eine ganz andere Frage. Der Schwarze Block tritt zwar homogen auf, ist aber in sich sehr vielfältig. Wenn man jeden einzelnen befragen würde, käme heraus, dass viele von ihnen inhaltlich und theoretisch umfangreich begründen können, warum sie in so einem Schwarzen Block laufen. Und dann gibt es vermutlich auch welche, die es einfach nur aufregend finden, schwarz verkleidet zu sein. Dabei müssen sie nicht unbedingt sagen, au ja, ich wollte schon immer auch mal Steine schmeißen.
sueddeutsche.de: Welche Bedeutung hat der Körpereinsatz bei Protesten?
Pabst: Man sieht das zum Beispiel an Tutti Bianchi aus Italien, die sich nach den Protesten in Genua aufgelöst haben: Die haben ganz bewusst den Einsatz ihrer Körper thematisiert. Sie traten in gepolsterten weißen Anzügen auf und thematisierten in Pamphleten die Verletzbarkeit des Körpers. Die Auseinandersetzung mit dem Körper spielt in den globalisierungskritischen Bewegungen eine immer größere Rolle.
sueddeutsche.de: Werden Sie selbst am Mittwoch ausprobieren, den ganzen Körper als Protestmittel einzusetzen? Nehmen Sie an den Blockaden teil?
Pabst: Ja. Ich finde es spannend, mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen ein ganz konkretes Ziel zu haben: den Gipfel zu blockieren. Es entspricht zudem nicht meinem Wissenschaftsverständnis, mir die Dinge nur von außen anzusehen. Das funktioniert vom Thema her nicht, denn es geht auch um ganz individuelle Erfahrung. Das muss ich schon selbst erleben, um es nachvollziehen zu können."
contributor - am Donnerstag, 7. Juni 2007, 16:00 - Rubrik: KG in der Universitaet
Marcus S. Kleiner führte an der FH Dortmund, FB Design im Sommersemester 2006 ein Seminar "Kommunikationsguerilla" durch. Dazu gibt es auch ein Wiki
mit allen möglichen Hinweisen und Materialien.
mit allen möglichen Hinweisen und Materialien.
contributor - am Dienstag, 25. Juli 2006, 09:33 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Die Torte wurde zwar gegessen anstatt geworfen, aber sie hat M.S. Kleiner gut zum schwitzen gebracht. Dafür wurde ihm Pizza gebracht und sogar für ihn vorgelesen, damit er in Ruhe essen kann.
RinTinTin - am Freitag, 7. April 2006, 14:03 - Rubrik: KG in der Universitaet
Folgender Vortrag im Kolloquium des Sonderforschungsbereiches (SFB 584) "Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte" an der Uni Bielefeld vom 25.01.2006 ist nachzutragen:
Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey / Dr. Freia Anders (Bielefeld)
Gewaltsame Aktion und politische Kommunikation. Die Autonomen – eine „Kommunikationsguerilla“? (1977-1995) (Teilprojekt C 3)
Kommentar: PD Dr. Peter Imbusch (Marburg)
Das würde mich ja schon mal interessieren, was die so unter Kommunikationsguerilla verstehen. Gilcher-Holtey hat eine Reihe Publikationen in Sachen 1968 vorzuweisen. Und das Teil werden sie ja irgendwann auch veröffentlichen.
Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey / Dr. Freia Anders (Bielefeld)
Gewaltsame Aktion und politische Kommunikation. Die Autonomen – eine „Kommunikationsguerilla“? (1977-1995) (Teilprojekt C 3)
Kommentar: PD Dr. Peter Imbusch (Marburg)
Das würde mich ja schon mal interessieren, was die so unter Kommunikationsguerilla verstehen. Gilcher-Holtey hat eine Reihe Publikationen in Sachen 1968 vorzuweisen. Und das Teil werden sie ja irgendwann auch veröffentlichen.
contributor - am Donnerstag, 2. März 2006, 09:53 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
In der Katholischen Akademie Schwerte fand von 28.09.2005-30.09.2005 folgende akademische Tagung statt:
"1968: Musik und gesellschaftlicher Protest"
Wir zitieren aus dem Tagungsbericht (9.1. 2006) der geschichtswissenschaftlichen Mailingliste H-Soz-u-Kult:
"1968 als Jahr und Chiffre für Musikgeschichte und gesellschaftlichen Protest zu benennen, ist innerhalb der Kulturwissenschaften nicht neu. Auf dem Programm der musikwissenschaftlichen Tagung stand daher die interdisziplinäre Bestandsaufnahme zwischen Musik-, Sprach- und Sozialwissenschaften als neuer Ansatz. Welche Bezüge gibt es zwischen Frank Zappa, Antonio Gramsci und der Oper des Figaros? Kann 1968 als Chiffre in allen Disziplinen der Musikgeschichte wahrgenommen werden?"
Was hat das mit Kommunikationsguerilla zu tun. Das haben wir uns auch gefragt, sind dann aber auf zweifache Weise überrascht worden:
Zu Beginn führten Martin Klimke und Joachim Scharloth mit zwei aktuellen Analysen in das Thema ein. „The times they are a-changing“ so der Titel von Klimkes Vortrag, zeigte an einem aktuellen Filmbeispiel, „Die fetten Jahre sind vorbei“ den Wandel des Mythos um die so genannte 68er Generation. Das Zubehör und Kleidung der Roten Armee Fraktion längst in jedem Supermarkt erworben werden kann ist ein Zeichen für diesen Wandel; subversives Potential sei in solchen Symbolen folglich nicht mehr zu
finden. Mit Massenkonsum verschwindet offensichtlich die Symbolhaftigkeit eines jeden Gegenstandes. In Zeiten des benannten Massenkonsums wird es zunehmend schwerer, überhaupt noch irgendetwas als Protest wahrnehmen zu können.
Während es hier zunächst um die Frage nach dem Wandel der Bedeutung von Symbolen ging, zielte der nächste Beitrag auf das Herz des Themas dieses Blogs:
Joachim Scharloth stellte in seiner linguistischen Analyse die
Kommunikationsguerilla als neue Widerstandsform dar. Durch Störungen der Öffentlichkeit und Vereinnahmungsstrategien werde versucht, Angriffe auf die symbolisch hergestellte Ordnung auszuüben. Vorgespielte Tonbeispiele von Kartenkontrolleuren im öffentlichen Nahverkehr verdeutlichten den Anwesenden diese Störungen. Allein durch bewusste Betonung, ungewöhnliche Höflichkeit, oder eigener Wortwahl konnte in diesen Situationen Unbehagen und Performanzen hergestellt werden, so Scharloth.
Die öffentliche Ordnung geriet für einen kurzen Moment aus den Fugen.
Da würde doch noch mehr interessieren. Aber so müssen wir uns wohl bis zum Erscheinen des Tagungsbandes gedulden ...
"1968: Musik und gesellschaftlicher Protest"
Wir zitieren aus dem Tagungsbericht (9.1. 2006) der geschichtswissenschaftlichen Mailingliste H-Soz-u-Kult:
"1968 als Jahr und Chiffre für Musikgeschichte und gesellschaftlichen Protest zu benennen, ist innerhalb der Kulturwissenschaften nicht neu. Auf dem Programm der musikwissenschaftlichen Tagung stand daher die interdisziplinäre Bestandsaufnahme zwischen Musik-, Sprach- und Sozialwissenschaften als neuer Ansatz. Welche Bezüge gibt es zwischen Frank Zappa, Antonio Gramsci und der Oper des Figaros? Kann 1968 als Chiffre in allen Disziplinen der Musikgeschichte wahrgenommen werden?"
Was hat das mit Kommunikationsguerilla zu tun. Das haben wir uns auch gefragt, sind dann aber auf zweifache Weise überrascht worden:
Zu Beginn führten Martin Klimke und Joachim Scharloth mit zwei aktuellen Analysen in das Thema ein. „The times they are a-changing“ so der Titel von Klimkes Vortrag, zeigte an einem aktuellen Filmbeispiel, „Die fetten Jahre sind vorbei“ den Wandel des Mythos um die so genannte 68er Generation. Das Zubehör und Kleidung der Roten Armee Fraktion längst in jedem Supermarkt erworben werden kann ist ein Zeichen für diesen Wandel; subversives Potential sei in solchen Symbolen folglich nicht mehr zu
finden. Mit Massenkonsum verschwindet offensichtlich die Symbolhaftigkeit eines jeden Gegenstandes. In Zeiten des benannten Massenkonsums wird es zunehmend schwerer, überhaupt noch irgendetwas als Protest wahrnehmen zu können.
Während es hier zunächst um die Frage nach dem Wandel der Bedeutung von Symbolen ging, zielte der nächste Beitrag auf das Herz des Themas dieses Blogs:
Joachim Scharloth stellte in seiner linguistischen Analyse die
Kommunikationsguerilla als neue Widerstandsform dar. Durch Störungen der Öffentlichkeit und Vereinnahmungsstrategien werde versucht, Angriffe auf die symbolisch hergestellte Ordnung auszuüben. Vorgespielte Tonbeispiele von Kartenkontrolleuren im öffentlichen Nahverkehr verdeutlichten den Anwesenden diese Störungen. Allein durch bewusste Betonung, ungewöhnliche Höflichkeit, oder eigener Wortwahl konnte in diesen Situationen Unbehagen und Performanzen hergestellt werden, so Scharloth.
Die öffentliche Ordnung geriet für einen kurzen Moment aus den Fugen.
Da würde doch noch mehr interessieren. Aber so müssen wir uns wohl bis zum Erscheinen des Tagungsbandes gedulden ...
contributor - am Montag, 9. Januar 2006, 23:51 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
In Frankfurt/Oder gab es im Sommersemester 2005 an der dortigen Uni (Matthias Rothe / wissenschaftlicher Mitarbeiter Linguistische Kommunikations- und Medienforschung an der Europa - Universität Viadrina) über "Kritik und Protest" ein Seminar ("BA-Vertiefungsthema"), in dem offenbar auch die Kommunikationsguerilla Thema war:
"Thema des Seminars sind Formen vorrangig linker Kritik der Gesellschaft wie sie sich vor allem seit dem 19. Jahrhundert entwickelt haben. Sie verbinden sich zum Beispiel mit den Namen Marx, Marcuse, Adorno, Sartre, Bachtin, Foucault und Negri. Die kritischen Theorien dieser Denker haben nicht zuletzt das Selbstverständnis der politischen Aktivisten geprägt. Daher versucht das Seminar in einem zweiten Schritt nachzuvollziehen, auf welche Weise sie in deren Programmatik einfließen und schließlich praktische Relevanz gewinnen. Wir werden uns in diesem Zusammenhang mit den Situationisten, der Kommune 1 und den globalisierungskritischen Bewegungungen beschäftigen."
Das Essaythema für die schriftliche Hausarbeit soll niemandem vorenthalten bleiben:
11. Essay (Handbuch der Kommunikationsguerilla, 0 bis 37; 174 bis Schluss)
Worin besteht das Konzept der Kommunikationsguerilla? Wie wird es legitimiert (seine Notwendigkeit begründet?)
Handelt es sich um eine neue politische Aktionsform? Ist sie eine den sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnissen unserer Gegenwart angemessene Aktionsform? Diskutieren Sie!
"Thema des Seminars sind Formen vorrangig linker Kritik der Gesellschaft wie sie sich vor allem seit dem 19. Jahrhundert entwickelt haben. Sie verbinden sich zum Beispiel mit den Namen Marx, Marcuse, Adorno, Sartre, Bachtin, Foucault und Negri. Die kritischen Theorien dieser Denker haben nicht zuletzt das Selbstverständnis der politischen Aktivisten geprägt. Daher versucht das Seminar in einem zweiten Schritt nachzuvollziehen, auf welche Weise sie in deren Programmatik einfließen und schließlich praktische Relevanz gewinnen. Wir werden uns in diesem Zusammenhang mit den Situationisten, der Kommune 1 und den globalisierungskritischen Bewegungungen beschäftigen."
Das Essaythema für die schriftliche Hausarbeit soll niemandem vorenthalten bleiben:
11. Essay (Handbuch der Kommunikationsguerilla, 0 bis 37; 174 bis Schluss)
Worin besteht das Konzept der Kommunikationsguerilla? Wie wird es legitimiert (seine Notwendigkeit begründet?)
Handelt es sich um eine neue politische Aktionsform? Ist sie eine den sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnissen unserer Gegenwart angemessene Aktionsform? Diskutieren Sie!
contributor - am Donnerstag, 5. Januar 2006, 14:49 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Ein weiterer akademischer Output, in dem Kommunikationsguerilla eine wichtige Rolle spielt, ist zu verzeichnen. Nicole Grothe hat eine im transcript-Verlag ihre kunsthysterische Dissertation zur Frage "Wann ist Kunst Politik?" veröffentlicht:

Nicole Grothe
InnenStadtAktion – Kunst oder Politik?
Künstlerische Praxis in der neoliberalen Stadt
September 2005, 282 S., kart., zahlr. Abb., 25,80 €
ISBN: 3-89942-413-1
Der Klappentext:
"Wem gehört die Stadt? – Diese Frage ist Kernstück der Auseinandersetzungen um die Innenstädte, die zunehmend zum umkämpften Terrain werden. "Sicherheit und Sauberkeit" gelten als oberste Maxime eines attraktiven Stadtbilds. Welche Rolle spielt Kunst in diesem Zusammenhang? Wo dient sie dazu, ordnungspolitische Maßnahmen durchzusetzen, und wie sehen kritische künstlerische Praxen aus? Im Zentrum dieser Untersuchung stehen die 'InnenStadtAktionen', mit denen KünstlerInnen, TheoretikerInnen und politische Initiativen Ende der neunziger Jahre gegen "Privatisierung, Ausgrenzung und Sicherheitswahn" intervenierten."
Die Arbeit bezieht sich auf die derzeit in verschiedenen Feldern geführte Debatte um das Verhältnis von Politik und Kunst. Vorausgeschickt werden sollte allerdings, dass in unserer Annotation das eigentliche Anliegen der Autorin nicht im Mittelpunkt steht, sondern überwiegend die Rezeption des Kommunikationsguerilla-Konzeptes in ihrer Dissertation.
Ein eine erste Lektüre zeigt, dass für Grothe das Erscheinen des Handbuchs der Kommunikationsguerilla und der Verlauf der sogenannten InnenStadtAktionen im Jahr 1997 in einem engen Zusammenhang stehten. Sie referiert überaus ausführlich einzelne Aspekte des Handbuches und vergleicht die darin beschriebenen Techniken mit dem Verlauf einzelner Aktionen besagter Kampagne.
Abgesehen, dass wir das ganz ähnlich sehen, ist es wohl zunächst der Aufgabe des Verfassens einer sogenannten Qualifikationsarbeit geschuldet, dass hierbei (im Hinblick auf die Kommunikationsguerilla - und nur das können wir beurteilen) nicht viel neues rüberkommt, ausser eben der Beurteilung der jeweiligen Aktionen im Hinblick auf ihre Kommunikationsguerilla-Tauglichkeit und inwiefern sie zurecht sich dieses Siegel anheften dürfen. Dazu wäre allerdings anzumerken, dass es aus unserer Sicht darauf nicht ankommt, weil in der Praxis immer oder überwiegend Mischformen vorkommen. Aber immerhin ist es interessant zu sehen, wenn jemand das Instrumentarium der KG einmal durchzudeklinieren beginnt.
Dabei interessiert uns weniger, ob oder was davon nun Kunst ist (was im Feld der Kunstgeschichte sicherlich zentral ist).
Darüber hinaus werden in diesem Band mitunter Aspekte bestimmter Debatten aufgenommen, die ab und zu auch hier Thema sind. Etwa die von Günter Jacob vom Zaun gebrochene Debatte um den vermeintlichen Distinktionsgewinn der beteiligten Künstler an politischen Aktionen wie der Innenstadtaktionen (S. 245ff.).
Grothe referiert die Diskussion und hinterfragt Jacobs Versuche, sich mittels dieser Diskussion einen Distinktionsgewinn als Kritiker der Kritiker zu erschreiben. In der Empirie kann sie schließlich zeigen, welchen Unfug Jacob verzapft hat, weil im Kunstbetrieb alles andere bloss keine Distinktionsgewinne mit politischen Aktionen eingefahren werden können.
Ihr Fazit (S. 260f.) :
"Die Frage ob es sich bei den InnenStadtAktionen um "Kunst oder Politik" handelt, wie es im Titel dieser Arbeit aufgeworfen ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten, da die InnenStadtAktionen gerade die Ausschließlichkeit, die in dieser Frage impliziert ist, unterlaufen. "
Anschließend referiert sie nochmals einen weiten Kunstbegriff um dann wieder den Bezug zur Kommunikationsguerilla herzustellen:
"Hier lassen sich wieder Bezüge zum Konzept Kommunikationsguerilla herstellen, deren Methoden die InnenStadtAktionen vielfach bedienen, denn: 'Kommunikationsguerilla interessiert sich nicht für die Qualität von Kunst nach den Kritierien der Kunstgeschichte, sondern für die Brauchbarkeit ihrer ästhetischen Mittel für eine subversive Praxis'".
Anschließend verweist sie auf den jeweiligen Kontext, wenn es darum gehe, künstlerische und politische Praxen zu unterscheiden. Alles in allem ist das Buch sehr informativ und rückt noch einmal in kompakter Form die damaligen Aktionen in den eigenen Horizont zurück.
Zur Autorin:
Nicole Grothe ist freie Kunsthistorikerin und lebt in Düsseldorf. Sie forscht zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum und aktuellen sozialen Bewegungen. Ein online verfügbarer Beitrag von Grothe im Hinblick auf Fake findet sich hier.

Nicole Grothe
InnenStadtAktion – Kunst oder Politik?
Künstlerische Praxis in der neoliberalen Stadt
September 2005, 282 S., kart., zahlr. Abb., 25,80 €
ISBN: 3-89942-413-1
Der Klappentext:
"Wem gehört die Stadt? – Diese Frage ist Kernstück der Auseinandersetzungen um die Innenstädte, die zunehmend zum umkämpften Terrain werden. "Sicherheit und Sauberkeit" gelten als oberste Maxime eines attraktiven Stadtbilds. Welche Rolle spielt Kunst in diesem Zusammenhang? Wo dient sie dazu, ordnungspolitische Maßnahmen durchzusetzen, und wie sehen kritische künstlerische Praxen aus? Im Zentrum dieser Untersuchung stehen die 'InnenStadtAktionen', mit denen KünstlerInnen, TheoretikerInnen und politische Initiativen Ende der neunziger Jahre gegen "Privatisierung, Ausgrenzung und Sicherheitswahn" intervenierten."
Die Arbeit bezieht sich auf die derzeit in verschiedenen Feldern geführte Debatte um das Verhältnis von Politik und Kunst. Vorausgeschickt werden sollte allerdings, dass in unserer Annotation das eigentliche Anliegen der Autorin nicht im Mittelpunkt steht, sondern überwiegend die Rezeption des Kommunikationsguerilla-Konzeptes in ihrer Dissertation.
Ein eine erste Lektüre zeigt, dass für Grothe das Erscheinen des Handbuchs der Kommunikationsguerilla und der Verlauf der sogenannten InnenStadtAktionen im Jahr 1997 in einem engen Zusammenhang stehten. Sie referiert überaus ausführlich einzelne Aspekte des Handbuches und vergleicht die darin beschriebenen Techniken mit dem Verlauf einzelner Aktionen besagter Kampagne.
Abgesehen, dass wir das ganz ähnlich sehen, ist es wohl zunächst der Aufgabe des Verfassens einer sogenannten Qualifikationsarbeit geschuldet, dass hierbei (im Hinblick auf die Kommunikationsguerilla - und nur das können wir beurteilen) nicht viel neues rüberkommt, ausser eben der Beurteilung der jeweiligen Aktionen im Hinblick auf ihre Kommunikationsguerilla-Tauglichkeit und inwiefern sie zurecht sich dieses Siegel anheften dürfen. Dazu wäre allerdings anzumerken, dass es aus unserer Sicht darauf nicht ankommt, weil in der Praxis immer oder überwiegend Mischformen vorkommen. Aber immerhin ist es interessant zu sehen, wenn jemand das Instrumentarium der KG einmal durchzudeklinieren beginnt.
Dabei interessiert uns weniger, ob oder was davon nun Kunst ist (was im Feld der Kunstgeschichte sicherlich zentral ist).
Darüber hinaus werden in diesem Band mitunter Aspekte bestimmter Debatten aufgenommen, die ab und zu auch hier Thema sind. Etwa die von Günter Jacob vom Zaun gebrochene Debatte um den vermeintlichen Distinktionsgewinn der beteiligten Künstler an politischen Aktionen wie der Innenstadtaktionen (S. 245ff.).
Grothe referiert die Diskussion und hinterfragt Jacobs Versuche, sich mittels dieser Diskussion einen Distinktionsgewinn als Kritiker der Kritiker zu erschreiben. In der Empirie kann sie schließlich zeigen, welchen Unfug Jacob verzapft hat, weil im Kunstbetrieb alles andere bloss keine Distinktionsgewinne mit politischen Aktionen eingefahren werden können.
Ihr Fazit (S. 260f.) :
"Die Frage ob es sich bei den InnenStadtAktionen um "Kunst oder Politik" handelt, wie es im Titel dieser Arbeit aufgeworfen ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten, da die InnenStadtAktionen gerade die Ausschließlichkeit, die in dieser Frage impliziert ist, unterlaufen. "
Anschließend referiert sie nochmals einen weiten Kunstbegriff um dann wieder den Bezug zur Kommunikationsguerilla herzustellen:
"Hier lassen sich wieder Bezüge zum Konzept Kommunikationsguerilla herstellen, deren Methoden die InnenStadtAktionen vielfach bedienen, denn: 'Kommunikationsguerilla interessiert sich nicht für die Qualität von Kunst nach den Kritierien der Kunstgeschichte, sondern für die Brauchbarkeit ihrer ästhetischen Mittel für eine subversive Praxis'".
Anschließend verweist sie auf den jeweiligen Kontext, wenn es darum gehe, künstlerische und politische Praxen zu unterscheiden. Alles in allem ist das Buch sehr informativ und rückt noch einmal in kompakter Form die damaligen Aktionen in den eigenen Horizont zurück.
Zur Autorin:
Nicole Grothe ist freie Kunsthistorikerin und lebt in Düsseldorf. Sie forscht zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum und aktuellen sozialen Bewegungen. Ein online verfügbarer Beitrag von Grothe im Hinblick auf Fake findet sich hier.
kg2u - am Sonntag, 9. Oktober 2005, 15:27 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Scheinbar un-wahr oder wie falsche (Online-) Informationen, wahre (‚Real Life’) Ereignisse schaffen
Die deutschsprachige akademische Welt entdeckt ein Thema: Die Kommunikationsguerilla!
Nach dem sehr guten und ziemlich ausführlichen medienwissenschaftlichen Überblickstext von Marcus S. Kleiner mischt sich nun auch die "Volkskunde" ein. In der österreichischen Zeitschrift "kuckuck - Notizen zur Alltagskultur" (herausgegeben vom Grazer Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie) veröffentlichte der Hamburger Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger (ja, der mit dem Bankraub-Buch) einen kürzeren Beitrag über Fakes. Der Untertitel lautet: "Kulturwissenschaftliche Anmerkungen zum Fake als politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster."
Der Text geht vom DowChemical-Fake aus, beschreibt ihn ausführlich und analysiert den Fake als "politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster". Schönberger geht darüber hinaus auch auf die technischen Rahmenbedingungen des Internet und der Möglichkeit von Fakes ein.
Die ganze Angabe:
Schönberger, Klaus: Scheinbar un-wahr oder wie falsche (Online-) Informationen, wahre (‚Real Life’) Ereignisse schaffen. Kulturwissenschaftliche Anmerkungen zum Fake als politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster. In: Kuckuck 1/2005. Notizen zur Alltagskultur. Themenheft „scheinbar“, S. 18-23.
Nachtrag am 7.8.: Der Beitrag ist nun online (aber ohne Fussnoten)
[via Kulturwissenschaftliche Technikforschung]
Die deutschsprachige akademische Welt entdeckt ein Thema: Die Kommunikationsguerilla!
Nach dem sehr guten und ziemlich ausführlichen medienwissenschaftlichen Überblickstext von Marcus S. Kleiner mischt sich nun auch die "Volkskunde" ein. In der österreichischen Zeitschrift "kuckuck - Notizen zur Alltagskultur" (herausgegeben vom Grazer Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie) veröffentlichte der Hamburger Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger (ja, der mit dem Bankraub-Buch) einen kürzeren Beitrag über Fakes. Der Untertitel lautet: "Kulturwissenschaftliche Anmerkungen zum Fake als politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster."
Der Text geht vom DowChemical-Fake aus, beschreibt ihn ausführlich und analysiert den Fake als "politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster". Schönberger geht darüber hinaus auch auf die technischen Rahmenbedingungen des Internet und der Möglichkeit von Fakes ein.
Die ganze Angabe:
Schönberger, Klaus: Scheinbar un-wahr oder wie falsche (Online-) Informationen, wahre (‚Real Life’) Ereignisse schaffen. Kulturwissenschaftliche Anmerkungen zum Fake als politisches Handlungs- und Kommunikationsmuster. In: Kuckuck 1/2005. Notizen zur Alltagskultur. Themenheft „scheinbar“, S. 18-23.
Nachtrag am 7.8.: Der Beitrag ist nun online (aber ohne Fussnoten)
[via Kulturwissenschaftliche Technikforschung]
kg2u - am Montag, 25. Juli 2005, 22:27 - Rubrik: KG in der Universitaet
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen