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Faelschungen und Camouflagen

In Darmstadt - so die Frankfurter Rundschau (31.5.2007) - seien "gefälschte" Schreiben in der Stadt aufgetaucht, die die polizeistaatliche Zurichtung für den G8-Gipfel auf's Korn genommen haben:

"Unbekannte warnen in gefälschten Schreiben der Stadt vor G8-Gipfel

Darmstadt (dpa/lhe). Eine Fälschung als Protest gegen den G8- Gipfel: In Darmstadt haben Unbekannte in Schreiben mit Briefkopf der Stadt die Bevölkerung aufgerufen, während des Gipfels "auf unnötige Mobiltelefonate" zu verzichten. Dies helfe den Behörden, terroristisch relevante Gespräche zu erkennen, hieß es in dem Brief, der am Donnerstag im Stadtgebiet verteilt wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen.

"Viele Bürger fassen das vielleicht nicht als Scherz auf und glauben, sie leben in einem Polizeistaat", sagte ein Polizeisprecher in Darmstadt. Das nicht signierte Schreiben trage den Absender "Der Oberbürgermeister" im Briefkopf. Die Verfasser behaupteten, dass Passanten der Polizei in der Zeit vom 1. bis 8. Juni nach Einbruch der Dunkelheit unaufgefordert ihre Ausweispapiere vorlegen müssten. Ferner werde vor und während des Gipfels im Ostseebad Heiligendamm vor Reisen nach "Mecklenburg-Vorpommern und daran angrenzende Bundesgebiete" gewarnt.

Abonnenten von Blättern wie der "Frankfurter Rundschau", der "Süddeutschen Zeitung", der "Zeit" und der "tageszeitung" müssten mit der Überprüfung ihres Briefverkehrs sowie verspäteter Zustellung rechnen, heißt es in der Fälschung. "Für uns ist das ein ganz schlechter Scherz", sagte ein Sprecher der Stadt Darmstadt. "Da hört der Spaß auf."

Das neue Album von Paris Hilton wurde "Opfer" eines reverse shopliftings. Mehr dazu hier

In Dresden wird bekanntlich am kommenden Sonntag, 2.10. die Bundestagswahl nachgeholt. Das halten nicht alle für wichtig. Daher kursierten jüngst in Dresden eine offiziell gehaltene Absage der Wahl. In Dresden und andernorts herrscht jetzt Aufregung:
Sachsen online (27.9. 2005)
Spiegel online (27.89. 2005)
Stern online (27.9. 2005)
Tagesshau online (27.9.2005)

kanak attak präsentiert die Plakataktion gegen die Ausbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft, die in Kooperation mit dem ZDF erfolgreich in mehreren Städten gestartet ist.


Mit dem Zweiten sieht man besser!

kanak1Ahmet B. versteht die Welt nicht mehr. Vor einigen Tagen ist er mit seiner in der Türkei geheirateten Frau bei der deutschen Botschaft in Ankara gewesen, um für sie ein Einreisevisum für Deutschland zu beantragen. Als er die Heiratsurkunde, weitere Unterlagen und seinen deutschen Pass vorlegt, wird der Botschaftsmitarbeiter plötzlich stutzig. Seinen schönen roten EU-Pass hat Herr B. nicht wiederbekommen, aber dafür eine Bescheinigung, dass er nicht mehr im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit ist. Nun fragt er sich verzweifelt und empört zugleich, wie es denn sein kann, dass er, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist und sich als 19-Jähriger gerade in einer Ausbildung zum Bankkaufmann beendet, kein Deutscher mehr ist.

So beschreibt das Bundesinnenministerium die Geschichte einer Ausbürgerung. Natürlich verliert Ahmet B. seine "schöne Staatsangehörigkeit" gleich da, wo er ab nun laut BRD-Gesetzgebung wieder hingehört - in die Nicht-EU. Ein Novum in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eine in Vergessenheit geratene staatliche Maßnahme der Entrechtung. Der historische Kontext mag ein anderer sein, der Fokus liegt diesmal in der Prekarisierung von Menschen mit migrantischen Hintergrund.
(...)

kanak1
Stand-by-Deutsche: Staatsbürgerrechte auf Abruf und ohne Gewähr Das Ergebnis dieses Ringens um politische Rechte und mononationaler Zugehörigkeit ist eine neue Art von Staatsbürgertum: Wir begrüßen die »Stand-By Deutschen«! Ihnen wird die deutsche Staatsbürgerschaft gewährt, jedoch nur unter Auflagen. So wächst beispielsweise eine Generation von stand-by-deutschen Kindern heran, welche sich bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres entscheiden müssen, ob sie ihr Aufenthaltserlebnis in Almanya als Deutsche oder als "Ausländer" fortführen und gestalten wollen. Gleichzeitig müssen alle neuen Ex-Deutschen, neben der Beantragung einer Niederlassungserlaubnis und der Arbeitsgenehmigung, in ihrem Antrag auf Staatsbürgerschaft erneut beweisen, wie ernst sie es meinen: Sprachnachweis, Integrationspunkte, der ganze Schmu von vorn. Es gibt im neuen Zuwanderungsbegrenzungsgesetz die Gnade der erleichterten Wiedererlangung von Aufenthaltstiteln für ausgebürgerte Ex-Deutsche, jedoch ist die Erleichterung prekär. Nun kann noch einmal geprüft werden: Haben Sie seit 2000 schon mal »Hass gepredigt«? »Terror unterstützt«? In irgendeiner unbequemen Weise eine politische oder kriminelle Karriere eingeschlagen? Sozialhilfe empfangen? Hartz IV genossen? Doch auch die übrigen müssen sich wieder in die Unannehmlichkeiten und Schikanen des Ausländerrechts begeben. Aufgezwungene Sprachkurse mit Sanktionszwang, Sozialhilfekürzung bis Aufenthaltsannullierung. Damit werden unsere Brüder und Schwestern, amcalarimiz ve teyzelerimiz gezwungen hunderte von Stunden Deutsch und Integration nachzuweisen - in einem Land in dem sie bereits seit über 50 Jahren leben und arbeiten. Das Staatsangehörigkeitsgesetz und das neue Zuwanderungsbegrenzungs-Gesetz berücksichtigen keine von den versprochenen Verbesserungen und der längst überfälligen
kanak1rechtlichen Anerkennung Almanyas als Einwanderungsland. Sie stellen einen Remix des alten Ausländergesetzes dar und sind mitnichten ein »historischer Einschnitt«, wie die BefürworterInnen behaupten. Es ist die neue Festschreibung des alten, des schlechten Zustands. Gleichzeitig wird die Forderung nach Integration in die deutsche Gesellschaft immer lauter, härter und unnachgiebiger. Integration bedeutet vor allem Entkollektivierung von Rechten: Hierarchisierung, Assimilationszwang, Domestizierung und soziale Unterordnung der MigrantInnen. Sie war immer schon eine Reaktion auf ... und eine Drohung gegen Kämpfe der MigrantInnen um mehr Rechte. Politische und soziale Rechte werden nicht etwa selbstverständlich gewährt, sondern zu Privilegien stilisiert. Nur diejenigen, die unbeirrt und konsequent im Sinne der Maßgaben durch den Parcours der Integration hindurch gehen, sollen die Güte der deutschen Gesellschaft erfahren dürfen. Die Bestrebungen der MigrantInnen sich zu integrieren, können deshalb nur als Sisyphos-Tätigkeit bezeichnet werden. Ein never ending Loop des »Und ewig grüsst das Murmeltier« - Aber das ist nicht unser Song und nicht unser Film!

(...)

Einbürgerung - automatisch und nur auf dem Silbertablett!
No Integration - Kampf um kollektive Rechte anstatt Privilegien!

kanak attak | 2005

Der ausführliche
Text

Eine klassische Camouflage lieferten Schweizer WEF-Gegner in Bern unlängst anlässlich des Auftakts der Aktionen gegen das WEF in Davos:

14. Januar 2005, 10:14, NZZ Online
WEF-Gegner schmuggeln Propagandaseite in Gratiszeitung
Beilage zu Berner «20 Minuten»

"Gegner des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben der Berner Ausgabe von «20 Minuten» heimlich eine Propagandaseite beigelegt. Layout und Textstil lassen den Leser leicht an eine redaktionelle Beilage glauben.

(sda) Die Verfasser der Beilage schreiben explizit im Namen der Redaktion: «Die 20 Minuten-Redaktion unterstützt die Kampagne gegen das WEF. Denn wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Heraus zur Demo gegen das WEF!», heisst es auf der Seite, die am Freitag in die Gratiszeitung geschmuggelt wurde.

Davos«Es ist skandalös, dass sich diese WEF-Gegner auf die Meinung der Redaktion stützen», sagte Andreas Szilagyi, Verkaufsleiter von «20 Minuten» in Bern, auf Anfrage. Denn die Gratiszeitung habe mit der Beilage absolut nichts zu tun. Wieviele Exemplare mit der Propagandaseite versehen wurden, sei schwierig abzuschätzen. «Wahrscheinlich ist die Anzahl aber gering», hält er fest. Man werde nun über mögliche Massnahmen diskutieren - auch in Absprache mit der Hauptredaktion in Zürich. Szilagyi schliesst nicht aus, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Von Hand den Zeitungen beigelegt
Die Seite sei wohl frühmorgens von Hand in die Zeitungen geschmuggelt worden, die in Boxen aufliegen. «Ich glaube aber, die Leserinnen und Leser merken schnell, dass die Beilage nicht den redaktionellen Richtlinien entspricht: Die Schrift und die Spaltenbreite sind anders als in der übrigen Ausgabe.»

«20 Minuten» ist laut dem Verkaufsleiter nicht zum ersten Mal von einer unautorisierten Kampagne betroffen: Bei den Wahlen im vergangenen Jahr habe eine Partei die Titelseiten von rund 15000Berner Expemlaren mit Werbung in eigener Sache überdeckt. Sie habe der Zeitung schliesslich den Werbewert zurückzahlen müssen."

und wegen der Kriminalisierungskampagne der Kulturindustrie, sei hier auch noch mal daran erinnert:

raubkopierer

Wenn's auch sinnigere Formulierungen geben mag ...

porsche911_big
Die deutsche Sprache hat
mehr als 500.000 Wörter.
Aber nur 3 Ziffern
können das Gefühl beschreiben.

Der neue 911
Porsche












In Düsseldorf ist OB-Wahlkampf. Im Weblog "Mehrzweckbeutel" gibt es einen Google-Angriff auf die Netz-Kampagne des FDP-Kandidaten Zeitz

Eine nette Imagebeschmutzung finden wir ... Aber was ist nun das Orginal liebe LeserInnen?


Nr. 1 Orginal?

Orginal oder Kopie (Nr. 1)

Nr. 1 Kopie?

Nr. 1 Orginal oder Kopie?

Nr. 2. Kopie?

fdp_plakate_muell-web

Nr. 2 Orginal?

fdp_plakate_muell-web_kopie

Trendy Shirts mit politischer Botschaft - sieht doch fast nach Fake aus, oder?

http://nomilk.at/

"Gerade im Kontext der Kulturhauptstadt Graz mit ihrer Bemühung um Selbstdarstellung und Identitätsproduktion ist die Arbeit der Agentur "no_milk///no_honey" von besonderer Bedeutung und Brisanz.

Als weiterer Baustein des Projektes ist die Produktion von Gebrauchsartikel für TouristInnen wie Badetücher, Badebekleidung, Luftmatratzen usw. vorgesehen. Sie werden ebenfalls mit Informationen zur Situation in Österreich bedruckt und sollen bereits Frühjahr 2004 zum Verkauf angeboten werden."

"Linksradikale, antideutsch-sektiererische Kommunikationsguerilla"
überschreibt "Beniguma" einen Hinweis auf eine rechtsextremistische Imagebeschmutzungsaktion gegen "attac".

"Im Internet ist am 2. August eine gefälschte Webseite mit dem Titel "NPD-Attac" aufgetaucht. Darin wird neonazistisches Gedankengut popagiert und die Lüge verbreitet, NPD-Mitglieder würden sich in Zukunft bei Attac engagieren wollen. "

Berichte hierzu gibt es inzwischen von allenmöglichen Seiten. Neoliberale Rechte, die in einem "Online-Satire-Magazin" (nach eigener Einschätzung) die Aktion für sich reklamieren, lachen sich ins Fäustchen.

Wir amüsieren uns immer über solche Aufgeregtheiten der Linken, wenn sie selbst Gegenstand von Fake- oder Fälschungsaktionen werden. Anstatt über die Verderbtheit der Rechten zu jammern, sollten sich die Betreffenden überlegen, warum solche Versuche, attac tieferzulegen offensichtlich funktionieren. Wer Globalisierungskritik in eine solche Weise formuliert, muss eben gewahr sein, dass sie verwechselbar wird. Wir schlagen attac vor, dem inhaltlichen Grund der Wirksamkeit einer solchen Fälschung den Boden zu entziehen. Denn sonst bleibt man gegenüber solchen Aktionen derart hilflos und vor allem moralinsauer zurück. Insofern "goutieren" wir es durchaus, wenn attac gezwungen wird, sich an möglichen ideologischen Anknüpfungspunkte der NPD abzuarbeiten.

Es wird hier behauptet , dass unsere Blogchronik, ein solches Vorgehen nicht goutieren würde.
Beniguma versucht dann einem Kommentator zu erklären was der Sinn von Fälschungen und Überaffirmation sein könnte:
"der unterscheid zwischen reinen fälschungen und diesen komm-guerilla-sachen, die ich nebenbei ebenfalls für nur sehr begrenzt tauglich halte, ist, dass bei diesen überaffirmationen ja immer schon deutlich werden sollte, dass das nicht ganz stimmig (eben überaffirmiert) ist oder aber die fälschung irgendwann aufgelöst wird."

NACHTRAG: Hierzu gäbe es auch einiges anzumerken, aber davon ein andermal. Nur soviel. Die Auflösung muss nicht zwangsläufig kommen, kann, muss aber nicht. Und mitunter es die Überaffirmation auch von der Überidentifizierung zu unterscheiden. Vgl. Handbuch der KG.

Aber weil man dort attac ja in der Tendenz tatsächlich für politisch derart verdächtig hält (attac hat dort auch zunächst die Urheber vermutet, vgl. Telepolis), ist man im antideutschen Kontext in einer Zwickmühle, dass die eigene These nun von rechts spielerisch aufgenommen wird. Da man im Ernst den Rechten nichts Intelligentes unterstellen darf, wird hier ziemlich herumgeeiert. Das ist auch ein bisschen witzig an der ganzen Chose.

 

twoday.net AGB

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