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In der (Nord-?)-Taz (31.3. 2014) lesen wir ein Interview mit einem
Privatdozenten des Hedonistischen Instituts für angewandte Populismusforschung "über Stammtischparolen und das leichte Spiel, mit haarsträubenden Geschichten in den Medien zu landen".

Im Interview: Jesko Gibs, 24, Privatdozent des Hedonistischen Instituts für angewandte Populismusforschung in Hamburg:

"Hamburger Hedonisten enttarnen sich
„Ein reines Schauspiel“
"

taz: Herr Gibs, Sie baten um ein Interview, weil Sie einen Hoax, also eine in den Medien platzierte Falschmeldung, aufklären wollen. Was haben Sie angestellt?

Jesko Gibs: Wir haben uns mit Diskursen beschäftigt, die in der Bundesrepublik en vogue sind und immer wieder aufkochen. Beispiele wären die von Thilo Sarrazin und Matthias Matussek ausgelösten Debatten, die in der Form große Ähnlichkeiten aufweisen.

taz: Inwiefern?

Beide artikulieren auflagenstark ihren gesunden Menschenverstand, für den sie ihre Ausfälle gegen Feminismus, Homosexualität, Erwerbslose oder Einwanderung halten, und behaupten gleichzeitig, dass solche Äußerungen aufgrund politisch korrekter Zensur angeblich unsagbar geworden seien. Obwohl doch die schweigende Mehrheit der „Normalen“ eigentlich genauso denke.

Dadurch inszeniert sich diese platte Wiedergabe von Stammtischparolen als mutiger Akt des Tabubruchs. Das fanden wir lächerlich und da dachten wir uns, wenn es so einfach ist, mit so einer Masche erfolgreich zu sein, versuchen wir das auch.

taz: Was genau?

Wir probieren die gleichen absurden Argumentationsschemen aus und zeigen auf, wie einfach man von den Medien Gehör für Unsinn findet.

taz: Sie sind als Fleischliste in die Rolle der großen Fleischverfechter geschlüpft und bei der Wahl des Studierendenparlaments an der Hamburger Uni angetreten.

Genau, als Leute, die sich in ihrer Freiheit beschnitten sehen durch diese angeblichen Pläne einer Minderheit, einen Veggie-Day an der Hamburger Uni einführen zu wollen. Dabei hat niemand, vor allem nicht das Studierendenwerk, das zu seinem Vorhaben erklärt.
Mit abstrusen Parolen wie: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, haben wir versucht, so etwas Banales wie den Veggie-Day zum gesellschaftspolitischen Thema hochzustilisieren. Nach dem Muster: Die da oben machen doch was sie wollen, auf Kosten der Mehrheit. Das Thema ist total banal, es hat aber super funktioniert, wenn man sich die Berichterstattung, Kommentare und Zuschriften anschaut.

(…)

taz: Das riecht nach Kommunikationsguerilla. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich dieser Mittel zu bedienen?

Unsere Gruppe kommt aus dem Fahrwasser der hedonistischen Internationalen und beschäftigt sich mit Theorien der Kommunikationsguerilla. Also damit, wie man die Zeichen des Diskurses nutzt, um sie gegen den Diskurs selber zu wenden. Da gibt es ja dieses schöne Zitat von Roland Barthes, dass die wirksamste Art, den Mythos zu sabotieren, ist, ihn einfach zu modifizieren. Die Chiffren zu übernehmen und ihn dadurch zu entstellen, um zu zeigen, wie hohl das Ganze eigentlich ist.


Zum ganzen Interview
 

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