Vorbemerkung: Die Vorversion dieses Eintrags ist bereits Mitte Juli geschrieben worden. Inzwischen ist die Autorin dieser Zeilen aber auf den Eintrag "Uncle Rooneys World" von Ivo Bozic (Redakteur der Jungle World) in dessen eigenem Blog "Planet Hop" gestoßen. Ivo Bozic erklärt dort, wie die Sache aus seiner Sicht gelaufen ist. Sein Eintrag beginnt mit einem Satz, den wir nur unterschreiben können: "Die Geschichte könnte aus dem Handbuch der Kommunikationsguerilla stammen." Das drückt sich schon allein darin aus, dass auch hier ein Eintrag zum Rooney-Fake vorbereitet worden ist (dann aber doch nicht öffentlich gemacht wurde, was im folgendem nachgeholt wird). Der Witz daran ist aber, dass uns vor allem interessierte, warum die Jungle World, sprich Ivo Bozic, darauf reingefallen ist (immerhin einer in dieser Redaktion, den wir ernst genommen haben bzw. ernst nehmen).
Die Jungle World (28.6. 2006) ist wie andere deutschen Zeitungen (Spiegel Online) ein Opfer ihres eigenen Begehrens geworden. In einer Zeit des massiven WM-Nationalismus war insbesondere diese Redaktion ein potenzielles Opfer des Bremer Germanisten Martin Rooney, der sich als Onkel des englischen Fußballstars Wayne Rooney ausgab. Unter der Überschrift "»Für die Toten des Luftkriegs ist Hitler verantwortlich«" veröffentlichte die linke Version des Focus, die Jungle World, ein Interview mit einem Wissenschaftler, der allein schon wegen seiner Biographie (die wir aber nicht überprüfen können) gerade für unsere Avantgarde einer vor allem moralisierend angelegten Ideologiekritik besonders attraktiv ist (unter anderem wollte ihm die Friedensbewegung einen Preis an ihn wieder aberkennen, da er die Friedensbewegung kritisiert hat). Also einer so recht nach dem Geschmack von Leuten, die Verbalradikalismus und Distinktion mit Kritik verwechseln und deshalb auf der Suche nach jemandem wie Rooney ist, der all das sagt, was man zu hören wünscht. Den Mainstream-Medien hat der Bremer Germanist den Bären mit dem jungen Rooney aufgebunden, und dass derselbe sich früher nicht benehmen konnte, und die Jungle World wurde mit jener Mischung bedient, die ihn als Kronzeugen für das Begehren auf der Seite der Guten zu stehen prädestiniert:
"Ein Onkel von mir war bei den Desert Rats, also der 7th Armoured Division, die Hitlers Wehrmacht in El Alamein besiegt hat, und er ist dann bis nach Hamburg gekommen. Ein anderer Onkel zählte zu den ersten englischen Soldaten, die in der Normandie gelandet sind ..."
Da haben wir ihn, den Vorzeige "Anti-Deutschen", und wenn das jemand von sich behaupten kann, dann nimmt ihm die Jungle-World auch jeden anderen Scheiss ab.
"Martin Rooney ist ein Onkel des englischen Fußballstars Wayne Rooney. Der britische Germanist und Philosoph lebt seit 1973 in Bremen. Er beschäftigt sich u. a. mit Manès Sperber und George Orwell und war 15 Jahre lang Vorsitzender der Armin T. Wegener-Gesellschaft. Mehrere Mitglieder der Familie Rooney waren im Zweiten Weltkrieg aktiv an der Niederschlagung Nazi-Deutschlands beteiligt. Der 57jährige Rooney bekam 2003 den Bremer Friedenspreis zugesprochen, der ihm jedoch zunächst wieder aberkannt wurde, weil er sich kritisch über die deutsche Friedensbewegung geäußert hatte. "
Inzwischen hat sich Ivo Bozic in seinem eigenen Weblog zu diesem Interview geäußert:
"Dass sich die anderen Medien so derart für Martin Rooney interessierten, nur weil er ein Onkel von Wayne sein soll, habe ich ohnehin nicht ganz verstanden, aber gut, warum auch nicht. Es ist WM, da wird halt jede noch so kleine Story gerne genommen, und die Interviews mit ihm in Rund oder die Story in der ARD waren ja auch hübsch. Deshalb allein hätte ich ihn allerdings nicht interviewt. Mich hatte der Mann deshalb interessiert, weil er ein angesehener Wissenschaftler ist, der sich jahrzehntelang sehr verdienstvoll mit der Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern beschäftigt und die Biografie Armin T. Wegeners verfasst hat, und im Jahr 2003 einen Friedenspreis zugesprochen und wieder aberkannt bekam, weil er völlig zu Recht den Antiamerikanismus und die fehlende Reflexion des Saddam-Hussein-Regimes in der Friedensbewegung kritisiert hatte."
Genau. Und so steht es im Handbuch der Kommunikationsguerilla über die Fakes von Il Male (S. 71): "Die Fakes griffen das Begehren der Leser auf und realisierten es in einem vieldimensionalen Raum der falschen Wahrheiten und wahren Fälschungen."
Und es geht in diesem Interview nur um das Begehren der Jungle-World-Redaktion, wenn Ivo Bozic dann auch das Thema Rooney sofort hinter sich lässt und die ihm naheliegenderen Ansichten des britischen Anti-Deutschen abfeiert, wobei Rooney in Sachen "Fußballpatriotismus" bezeichnenerweise etwa zurückhaltend bleibt:
"Wenn Sie auf den Straßen das schwarzrotgoldene Fahnenmeer sehen und die Deutschen über ihr neues, unbeschwertes Verhältnis zur Nation reden hören, was denken Sie dabei?
Wenn ich Fußball gucke, schalte ich zu Spielbeginn den Fernseher ein, und während der Halbzeit und nach dem Abpfiff sofort aus, so dass ich das Drumherum gar nicht so mitbekomme. Ich will die Dummschwätzer nicht hören, die da spekulieren und sich wichtig tun. Über die Stimmung denke ich, dass wir einen saumäßigen Winter hinter uns haben, und viele Leute wollen einfach feiern bei diesem wunderschönen Wetter. Wie das insgesamt einzuschätzen ist, dazu muss man das Ende der WM abwarten. Es kann natürlich jederzeit irgendetwas passieren, was die Situation sehr schnell ändert.
Das WM-Motto ist »Die Welt zu Gast bei Freunden«. In England erinnert man sich noch gut daran, wie es war, als die Deutschen zuletzt dort »zu Gast« waren …
Die Deutschen waren nicht »zu Gast« in Großbritannien, dafür haben unsere Streitkräfte gesorgt. Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist ständig präsent in den englischen Medien. Und man wird sich weiter mit der deutschen Vergangenheit beschäftigen, ob in England, Amerika oder Israel – egal, ob das gewissen Kreisen in Deutschland passt oder nicht. "
In diesem Interview interessiert sich nicht wirklich jemand für Wayne Rooney, die Sache wurde einfach als Vorlage gespielt um die ewig gleiche Leier zu bedienen. Antiamerikanismus und Antisemitismus. Es geht dabei keineswegs um eine berechtigte Kritik inhaltlicher Problematiken innerhalb von Anti-Kriegsbewegungen oder aktuellem Nationalismus (es wird der historische Nazismus immer wieder in einer Weise aktualisiert, dass dieser Bezug den gegenwärtigen Nationalismus verharmlost).
Martin Rooney (vorausgesetzt - er meint das wirklich ernst) und Ivo Bozic interessieren sich nicht wirklich für eine Analyse, sie bedienen das anti-deutsche Ressentiment, das nur das Spiegelbild ihres Gegenübers ist und somit das mit hervorruft, was es eigentlich zu bekämpfen gilt. Die Wahnidee der Nation. Da sie sich aber auf eine Seite zu schlagen glauben müssen (was im Falle von Israel nicht das Schlimmste ist), ist diese Kritik bestenfalls für die Katz, schlimmstenfalls blind für das mörderische Potenzial eines veränderten Nationalismus. Weil es zuviele gibt, die glauben deutschen Nationalismus noch mit der Geschichte in Schach halten zu können, sind "die Linken" dem gegenwärtigen WM-Nationalismus so hilflos gegenübergestanden. Dafür trägt der politische Einfluss der Antideutschen einen Gutteil der Verantwortung.
Aber da es hierbei in erster Linie um Distinktion und nicht um Analyse und Kritik geht, prallt auch jeder aufklärerischere Gedanke an dem hier vorliegenden "Ticket-Denken" (Adorno) ab.
Die Jungle World (28.6. 2006) ist wie andere deutschen Zeitungen (Spiegel Online) ein Opfer ihres eigenen Begehrens geworden. In einer Zeit des massiven WM-Nationalismus war insbesondere diese Redaktion ein potenzielles Opfer des Bremer Germanisten Martin Rooney, der sich als Onkel des englischen Fußballstars Wayne Rooney ausgab. Unter der Überschrift "»Für die Toten des Luftkriegs ist Hitler verantwortlich«" veröffentlichte die linke Version des Focus, die Jungle World, ein Interview mit einem Wissenschaftler, der allein schon wegen seiner Biographie (die wir aber nicht überprüfen können) gerade für unsere Avantgarde einer vor allem moralisierend angelegten Ideologiekritik besonders attraktiv ist (unter anderem wollte ihm die Friedensbewegung einen Preis an ihn wieder aberkennen, da er die Friedensbewegung kritisiert hat). Also einer so recht nach dem Geschmack von Leuten, die Verbalradikalismus und Distinktion mit Kritik verwechseln und deshalb auf der Suche nach jemandem wie Rooney ist, der all das sagt, was man zu hören wünscht. Den Mainstream-Medien hat der Bremer Germanist den Bären mit dem jungen Rooney aufgebunden, und dass derselbe sich früher nicht benehmen konnte, und die Jungle World wurde mit jener Mischung bedient, die ihn als Kronzeugen für das Begehren auf der Seite der Guten zu stehen prädestiniert:
"Ein Onkel von mir war bei den Desert Rats, also der 7th Armoured Division, die Hitlers Wehrmacht in El Alamein besiegt hat, und er ist dann bis nach Hamburg gekommen. Ein anderer Onkel zählte zu den ersten englischen Soldaten, die in der Normandie gelandet sind ..."
Da haben wir ihn, den Vorzeige "Anti-Deutschen", und wenn das jemand von sich behaupten kann, dann nimmt ihm die Jungle-World auch jeden anderen Scheiss ab.
"Martin Rooney ist ein Onkel des englischen Fußballstars Wayne Rooney. Der britische Germanist und Philosoph lebt seit 1973 in Bremen. Er beschäftigt sich u. a. mit Manès Sperber und George Orwell und war 15 Jahre lang Vorsitzender der Armin T. Wegener-Gesellschaft. Mehrere Mitglieder der Familie Rooney waren im Zweiten Weltkrieg aktiv an der Niederschlagung Nazi-Deutschlands beteiligt. Der 57jährige Rooney bekam 2003 den Bremer Friedenspreis zugesprochen, der ihm jedoch zunächst wieder aberkannt wurde, weil er sich kritisch über die deutsche Friedensbewegung geäußert hatte. "
Inzwischen hat sich Ivo Bozic in seinem eigenen Weblog zu diesem Interview geäußert:
"Dass sich die anderen Medien so derart für Martin Rooney interessierten, nur weil er ein Onkel von Wayne sein soll, habe ich ohnehin nicht ganz verstanden, aber gut, warum auch nicht. Es ist WM, da wird halt jede noch so kleine Story gerne genommen, und die Interviews mit ihm in Rund oder die Story in der ARD waren ja auch hübsch. Deshalb allein hätte ich ihn allerdings nicht interviewt. Mich hatte der Mann deshalb interessiert, weil er ein angesehener Wissenschaftler ist, der sich jahrzehntelang sehr verdienstvoll mit der Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern beschäftigt und die Biografie Armin T. Wegeners verfasst hat, und im Jahr 2003 einen Friedenspreis zugesprochen und wieder aberkannt bekam, weil er völlig zu Recht den Antiamerikanismus und die fehlende Reflexion des Saddam-Hussein-Regimes in der Friedensbewegung kritisiert hatte."
Genau. Und so steht es im Handbuch der Kommunikationsguerilla über die Fakes von Il Male (S. 71): "Die Fakes griffen das Begehren der Leser auf und realisierten es in einem vieldimensionalen Raum der falschen Wahrheiten und wahren Fälschungen."
Und es geht in diesem Interview nur um das Begehren der Jungle-World-Redaktion, wenn Ivo Bozic dann auch das Thema Rooney sofort hinter sich lässt und die ihm naheliegenderen Ansichten des britischen Anti-Deutschen abfeiert, wobei Rooney in Sachen "Fußballpatriotismus" bezeichnenerweise etwa zurückhaltend bleibt:
"Wenn Sie auf den Straßen das schwarzrotgoldene Fahnenmeer sehen und die Deutschen über ihr neues, unbeschwertes Verhältnis zur Nation reden hören, was denken Sie dabei?
Wenn ich Fußball gucke, schalte ich zu Spielbeginn den Fernseher ein, und während der Halbzeit und nach dem Abpfiff sofort aus, so dass ich das Drumherum gar nicht so mitbekomme. Ich will die Dummschwätzer nicht hören, die da spekulieren und sich wichtig tun. Über die Stimmung denke ich, dass wir einen saumäßigen Winter hinter uns haben, und viele Leute wollen einfach feiern bei diesem wunderschönen Wetter. Wie das insgesamt einzuschätzen ist, dazu muss man das Ende der WM abwarten. Es kann natürlich jederzeit irgendetwas passieren, was die Situation sehr schnell ändert.
Das WM-Motto ist »Die Welt zu Gast bei Freunden«. In England erinnert man sich noch gut daran, wie es war, als die Deutschen zuletzt dort »zu Gast« waren …
Die Deutschen waren nicht »zu Gast« in Großbritannien, dafür haben unsere Streitkräfte gesorgt. Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist ständig präsent in den englischen Medien. Und man wird sich weiter mit der deutschen Vergangenheit beschäftigen, ob in England, Amerika oder Israel – egal, ob das gewissen Kreisen in Deutschland passt oder nicht. "
In diesem Interview interessiert sich nicht wirklich jemand für Wayne Rooney, die Sache wurde einfach als Vorlage gespielt um die ewig gleiche Leier zu bedienen. Antiamerikanismus und Antisemitismus. Es geht dabei keineswegs um eine berechtigte Kritik inhaltlicher Problematiken innerhalb von Anti-Kriegsbewegungen oder aktuellem Nationalismus (es wird der historische Nazismus immer wieder in einer Weise aktualisiert, dass dieser Bezug den gegenwärtigen Nationalismus verharmlost).
Martin Rooney (vorausgesetzt - er meint das wirklich ernst) und Ivo Bozic interessieren sich nicht wirklich für eine Analyse, sie bedienen das anti-deutsche Ressentiment, das nur das Spiegelbild ihres Gegenübers ist und somit das mit hervorruft, was es eigentlich zu bekämpfen gilt. Die Wahnidee der Nation. Da sie sich aber auf eine Seite zu schlagen glauben müssen (was im Falle von Israel nicht das Schlimmste ist), ist diese Kritik bestenfalls für die Katz, schlimmstenfalls blind für das mörderische Potenzial eines veränderten Nationalismus. Weil es zuviele gibt, die glauben deutschen Nationalismus noch mit der Geschichte in Schach halten zu können, sind "die Linken" dem gegenwärtigen WM-Nationalismus so hilflos gegenübergestanden. Dafür trägt der politische Einfluss der Antideutschen einen Gutteil der Verantwortung.
Aber da es hierbei in erster Linie um Distinktion und nicht um Analyse und Kritik geht, prallt auch jeder aufklärerischere Gedanke an dem hier vorliegenden "Ticket-Denken" (Adorno) ab.
kg2u - am Sonntag, 30. Juli 2006, 16:40 - Rubrik: Fake