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Theorie der Kommunikationsguerilla

Seit zwei Jahren werden auf http://maqui.blogsport.eu Analysen von Kommunikationsguerilla-Aktionen veröffentlich, auf die hiermit mal hingewiesen werden soll:

"Trotz des Booms an Veranstaltungen zu Kommunikationsguerilla passiert nicht viel. Und wenn doch, sind die Akteure eher im künstlerischen als im politischen Spektrum zu Hause. Darüber hinaus scheint die Beschäftigung der linksradikalen Szene mit „kreativen Aktionen“ oft nicht über Fäkalhumor hinaus zu gehen. Insgesamt wirft das die Frage auf, ob so etwas wie eine kritische Reflektion und Analyse über die Möglichkeiten und Grenzen emanzipatorischer Aktionsformen eigentlich in linksradikaler Bewegung noch stattfindet.

Schade, finden wir.
Denn so lassen linksradikale politische Akteure ein großes emanzipatorischen Potential ungenutzt. Um dieses Potential zu sammeln sollen hier ausgewählte Aktionen gesammelt werden. Diese Auswahl ist leider hochgradig subjektiv. Damit sie hier landet, muss sie irgendwie auf dem Wahrnehmungsschirm der an unserem Redaktionsteam beteiligten Menschen landen. Falls Du hier eine Aktion vermisst, poste den Link einfach irgendwo oder schreibt uns ne Mail an maqui.riseup.net

Die die bisher erschienen Aktions-Analysen:

3.1.2016 Gut gemeint: Kommunikationsguerilla im Mainstream

28.12.2015 Linksradikale verhöhnen toten Polizisten?

6.11.2015 Berlin, Humbolt-Uni: Gender-Trouble-Ausstellung auf den Klos

4.10.2015 Adbusting-Protest gegen Einheitsfeier in Berlin

3.10.2015 Nazi-Fakes in Dresden, Freiburg und Brandenburg

30.6.2015 „refugees welcome!“ Veranstaltungs-Kaperung bei der SPD

September 2011 Adbusting-Kampagne „Bleibt passiv“

2.2.2015 Gefälschte Straßennamen bei Google

23.10.2013 Gefälschte S-Bahn-Schilder gegen Querfront-Aluhüte

alles zu finden hier:
http://maqui.blogsport.eu/kommunikationsguerilla-analyse/

Ein Beitrag, der nochmals das Thema des Kognitiven Kapitalismus aufnimmt und die Kommunikationsguerilla als politisches Projekt propagiert:

Rudi Maier: Image. Imagine. Imagineering.
Intervenieren im kognitiven Kapitalismus. In: Christoph Haug / Rudi Maier / Berit Schröder (Hg.): Kampf um Teilhabe. Akteure, Orte, Strategien. Hamburg 2008: VSA.

Ausgangspunkt des Textes ist die Wiener Nike-Aktion von 2004 von Public Netbase, die hier ausführlich beschrieben und analysiert wird.

Aus gegebenem Anlaß: Ein Interview des Netzwerkes Kritische Geschichtswissenschaft (KW) (2005) mit Rüdiger Haude (RH).

Karneval und kritische Geschichte. Nicht wenige Intellektuelle wie Eric Hobsbawm interpretieren das bunte Treiben als mehr oder weniger perfide Form der Herrschaftsstabilisation. "Karneval ist der Tag an dem der Deutsche lacht", polemisiert auch nicht ohne Grund der Kabarettist Volker Pispers. Auf der IX. internationalen Konferenz des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) kam der Kulturwissenschaftler Rüdiger Haude nach Sichtung des historischen Materials zu einem differenzierteren Bild.

KW: Was hat eigentlich das Schlagwort "Karneval" in einem Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus zu suchen?

RH: Als "Karneval" untersuche ich, in der Nachfolge des russischen Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin, nicht nur die "tollen Tage" vor der katholischen Fastenzeit, sondern allgemein kulturelle Formen, die sich gegen die hegemoniale Logik von Herrschaft und Ausbeutung setzen und dies in Festen zum Ausdruck bringen. Es sind Feste der Statusumkehr, bei denen die Hierarchien des Alltags aufgehoben sind und die Entbehrungen des Alltags durch den Exzess ersetzt werden. Wenn sich solche Feste bei den "Ritualen der Rebellion" der Zulu in Südafrika ebenso finden wie bei den römischen Saturnalien des Altertums oder im Karneval der europäischen Renaissance, so verweist das nicht auf genetische Verwandtschaft, sondern auf eine Ähnlichkeit der politischen und ökonomischen Strukturen und Kämpfe. Ins HKWM gehört ein entsprechendes Stichwort, weil Karneval emanzipatorische Kämpfe auf mehrfache Weise belehren kann - als Anregung ebenso wie als Mahnung.


KW: Worauf bist du bei deinen Forschungen gestoßen? Oder: Welches Bild ergibt sich heute für dich?

RH: Im Kulturvergleich ist eine erstaunliche Konstanz der Formen bei karnevalesken Festen der Statusumkehr festzustellen. Dem steht eine heftige Kontroverse über die politischen Funktionen gegenüber, die diesen Formen zukommen. Nicht ,entpolitisierte' Fragen über Brauchtum oder Fruchtbarkeitsmagie bestimmen heute die Debatten zur Geschichte des Karnevals, sondern die politischen Wechselwirkungen zwischen Karneval und Alltag.


KW: Welche politischen Funktionen kommen demnach dem Karneval zu?

RH: Ich habe vier Argumentationslinien unterschieden. Zwei von diesen sehen den Karneval als systemstabilisierend, nämlich einmal dadurch, dass der Karneval (im engeren Sinne) von der katholischen Kirche als Schreckbild inszeniert werde, um die Gläubigen desto bereitwilliger die Entbehrungen der darauf folgenden Fastenzeit ertragen zu lassen. Zum anderen dadurch, dass die karnevalesken Exzesse als "Ventil" aufgestauter Frustrationen dienten. Die anderen beiden Argumentationslinien sehen Karneval als oppositionelle Äußerungsform. Bachtin hat den Karneval der Renaissance vor allem als eine "zweite Welt" bestimmt, als scharf vom Alltag abgegrenzte Lebensform eigenen Rechts. Es ist die "Lachkultur", geprägt vom "grotesken Realismus", der ständig oben und unten vertauscht und mithin keine Hierarchien gelten lässt. Nur an wenigen Stellen kann man bei Bachtin aber ahnen, dass der Karneval als Labor für die Erprobung anderer Lebensformen dienen kann, oder als Ort, wo politische Kämpfe ausgetragen werden. Dieser vierte Aspekt, also der Zusammenhang von Karneval und Revolution, erscheint mir am spannendsten.


KW: Antideutsche würden vielleicht sagen, hier feiert sich die Volksgemeinschaft. Hätten sie damit Recht?

RH: Nein. Karneval ist ganz sicher kein national zu fassendes Phänomen. Freilich hat die vereinsmäßig gefasste Karnevalsumgestaltung im Rheinland in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Programm nicht nur der Zähmung des Karnevals, sondern auch der nationalen Erziehung verfolgt, aber das gelang eben nur teilweise - das subversive Potenzial des Karneval brach sich, wie im Vormärz, immer wieder Bahn. Im 20. Jahrhundert ist der Karneval in Deutschland von den Nationalsozialisten pervertiert worden, aber das hat er z.B. mit vielen Elementen der Arbeiterbewegungskultur gemeinsam. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, sondern muss schauen, um welche kulturellen Formen zu kämpfen sich lohnt.


KW: Schlug der Karneval in Revolten um?

RH: In Zeiten gesteigerter sozialer Spannungen, wenn die hegemoniale Ordnung einer Delegitimation unterlag, konnte der Karneval die Bühne sein, auf der das Startsignal zur Rebellion gegeben wurde. So liegt der Fall im bekannten "Karneval in Romans" von 1579, den Emmanuel Le Roy Ladurie so dicht beschrieben hat, oder auch beim Baseler Bildersturm von 1529, den Peter Weidkuhn erwähnt. Aber man sollte nicht nur das unmittelbare "Umschlagen" berücksichtigen, sondern auch den Effekt, dass der Karneval den Menschen überhaupt das Bewusstsein möglicher Alternativen zum Status quo vermittelte; ein Bewusstsein, dass dann zu ganz anderen Zeiten praktisch werden mochte.


KW: Siehst du einen Zusammenhang zwischen Karneval und den Aktionsformen der gegenwärtigen sozialen Bewegungen?

RH: Selbstverständlich. Das Vermummen und das theatralische Darstellen, die symbolische Tötung oder Bestattung allegorischer Figuren, die demonstrative Negation der hergebrachten Hierarchien, etwa durch Verspottung, und die geringe oder gar inexistente Bedeutung von Anführern - das alles gehört zum festen Repertoire der neuen sozialen Bewegungen. Der Pariser Mai 1968 zeigte dies bereits, und in den globalisierungskritischen Bewegungen ist diese performative Struktur besonders ausgeprägt. Negri und Hardt sehen deshalb im Karneval die "Logik der Multitude" verwirklicht.

Aber man darf die Ambivalenzen des Karneval nicht aus den Augen verlieren. Über Bachtins rigorose Trennung von Karneval und Alltag, die als idealtypische ihren Erkenntniswert hat, darf nicht ausgeblendet werden, dass der Karneval keineswegs frei ist von den Einflüssen der Hegemonial-Kultur (so wie umgekehrt die Logik der Groteske im Mittelalter nicht auf die karnevalistische Gegenkultur beschränkt war). Karneval konnte nicht nur in Revolte umschlagen, sondern auch in Pogrom. Es kommt deshalb darauf an, den Kampf um die Zielrichtung des Karnevals zu führen. Er hat schon eine tendenziell emanzipatorische Eigenlogik; aber man muss die Gefahr ihrer repressiven Überlagerung im Blick behalten.

KW: Zuletzt: Siehst du zum Thema Karneval noch Aufgaben einer gesellschaftskritischen historischen Sozialwissenschaft?

RH: Viele. Die Diskussion auf der InKriT-Tagung hat zum Beispiel ergeben, dass die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Karneval bislang unterbelichtet ist: In welchen staatlichen Kontexten findet kein Karneval statt, und warum ist das so? In welchem Verhältnis, so möchte ich selbst später einmal untersuchen, stehen karnevaleske Umkehrrituale zu entsprechenden Formen des Verspottens und der Parodie in vorstaatlichen, herrschaftsfreien Gesellschaften? Auch ist die Änderung der Bedingungen für karnevalistisches Handeln im entwickelten Kapitalismus zwar gelegentlich behauptet, aber kaum systematisch erforscht worden. Und nicht zuletzt sollte die Frage der Geschlechterverhältnisse im Karneval einmal kulturvergleichend untersucht werden, zumal die Geschlechtertravestie (Frauen in Männerkleidung usw.) häufig ganz prominent in den karnevalesken Praxen figuriert.

KW: Rüdiger, vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg bei deinen weiteren Forschungen!

Rüdiger Haude
ist heute freischaffender Kulturwissenschaftler in Wuppertal.

Literaturhinweise:
==============

Bachtin, Michail [1987]: Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur. Frankfurt a.M.: Suhrkamp .

McNally, David [2001]: Bodies of Meaning. Studies on Language, Labor, and Liberation. Albany: State University of New York Press.

Katja Diefenbach war neulich in Wien ("APORIEN DES AKTIVISMUS oder: Die Politisierung des Lebens) und gab dem Falter 38/2006 ein ziemlich aufschlussreiches Interview zum Thema "Politisch-sein" aber auchg zur Einschätzung postautonomer Interventionsmöglichkeiten. Da das Interview nicht online ist, sei hier die Interviewabschrift aus dem Weblog "Haftgrund" plus Einleitung zitiert (dort auch weitere Links zu Diefenbach bzw. dem Interviewer Robert Misik).

Im Falter 38/06 schafft es Katja Diefenbach in wenigen Sätzen nicht nur die 68er-Aporie zu benennen, sondern auch die leidigen Hoffnungen der Postoperaiisten als teleologische zu kennzeichnen. Das Interview hat Robert Misik geführt. Am 28. September führen er und Katja Diefenbach ein Gespräch im Kreisky-Forum . (Haftgrund)

Bei dieser Gelegenheit besteht mal wieder Möglichkeit, die unterschiedlichen Lesarten von Texten zur Kenntnis zu nehmen. Haftgrund war wohl das Postoperaismus-Bashing wichtig, unsereins liest diese Aussagen keineswegs in der gleichen Weise, sondern als das Bemühen, diese Überlegungen fruchtbar zu machen:

Falter: Kann man heute noch politisch aktiv sein? Die Rebellenpose ist doch nur mehr Zitat, noch dazu ein kommerzialisiertes. Gibt es einen Ausweg aus der Peinlichkeit?

Diefenbach: Peinlichkeit ist eigentlich eine interessante Geste; und ich frage mich, ob es überhaupt möglich ist, politisch zu sein, ohne peinlich zu werden. Gegenüber der Normalisierung und der Katastrophe, dass alles so weitergeht, ist die Geste des Politischen an sich störend und deplatzierend. Genau deshalb ist der souveräne Zyniker ein herrschendes role model Er verkörpert ein Subjekt, das noch über die Ungerechtigkeiten kapitalistischer Vergesellschaftung im Bilde ist, den Glauben an grundsätzliche Veränderungen aber für idealistisch, lächerlich oder terroristisch hält und stattdessen lieber den Kapitalismus in seiner freisetzenden Bewegung affirmiert. Denn der Kapitalismus ist für ihn der große Möglichmacher, ein System schöpferischer Zerstörung, in dem sogar abweichende Lebensformen und subkulturelle Praktiken, wenn sie sich verwerten lassen, zugelassen und verstärkt werden können.

Falter: Das zeigt aber immerhin, dass die Abweichung, die Dissidenz und das fröhliche Dagegensein gar nicht so subversiv sind. Damit kann der Kapitalismus prima leben.

Diefenbach: Natürlich, der Kapitalismus und bio-politische Regierungsstrategien antizipieren Widerstandsformen und versuchen, sie produktiv zu machen. Von daher rührt die Kritik politischer Theoretiker wie Slavoj Zizek oder Alain Badiou, dass die leere Universalität des Kapitals mit partikularer Identität jedwelcher Art ausgezeichnet koexistiert: Identität verspricht Halt und imaginäre Gemeinschaftlichkeit in der Geschwindigkeit abstrakter Verwertung; Identitäten vermehren die Konsumtionsmöglichkeiten etc. Zizek und Badiou verwechseln allerdings minoritäre Politik mit ihrem Scheitern. Die minoritären Revolten der Sechziger- und Siebzigerjahre waren ein politisches Ereignis. Sie haben mit der autoritären Linie in der Linken gebrochen, mit dem Kaderprinzip, dem Leninismus, der Reduzierung des Politischen auf Strategie- und Taktikdenken. Das Politische kann seit- dem an jedem Ort und in jedes Verhältnis intervenieren. Es erfordert die Praxis von vielen.

Falter: Die Kritik von Zizek oder Badiou, die Sie anführen, muss deswegen aber doch nicht ganz falsch sein.

Diefenbach: Die These, dass kapitalistische Verwertung und Identitätspolitik sich gegenseitig stabilisieren, halte ich nicht für falsch, im Gegenteil, nur die politische Konsequenz. Was folgert man daraus, dass die minoritären Kämpfe einen enormen Schub sozialer, politischer und sexueller Differenzierung bewirkt haben, ohne zu grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen wie sozialistischer Selbstverwaltung geführt zu haben? Was bedeutet es, dass die minoritären Kämpfe in diesem Sinne erfolgreich gescheitert" sind? Man muss nach den gefährlichen Übergängen zwischen minoritären Praktiken, kapitalistischen Reintegrationen und der Kommerzialisierung dissidenter Lebensformen suchen. Aber auch wenn Kämpfe scheitern, sind sie nicht verloren. Unvergessen ist, wovon minoritäre Praktiken sich abgewandt haben, vom soldatischen, moralischen und disziplinatorischen Erbe linker Politik.

Falter: Ist das nicht sehr rosarot gedacht? Man erzählt etwas, was man auch als Geschichte des Scheiterns erzählen kann, eben als Geschichte des Erfolges.

Diefenbach: Jeder politische Kampf steht in der Ge- fahr zu scheitern, sei es durch Integration, durch Repression oder durch Zer- "Viele Akteure der 68er- Revolten haben sich integriert. Was heißt das?' fall. Das soll nicht das Scheitern ver- harmlosen, sondern das Denken von Sieg und Niederlage beenden. Viele Akteure der 68er-Revolten haben sich integriert, die autonomen Bewegungen haben sich in den Achtzigerjahren in subkultureller Kleingruppenmilitanz selbst blockiert. Aber was heißt das? Ein Theoretiker wie Antonio Negri geht zum Beispiel davon aus, dass der Übergang in den Postfordismus mit einer derart selbstorganisierten Subjektivierungsform einhergegangen ist, dass der Sprung in ein kommunistisches Projekt potenziell kurz bevorsteht. Das impliziert viele optimistische Voran- nahmen - von den Kämpfen als Motor der Geschichte, vom Kapitalismus, der den Keim seiner Überwindung in sich trägt, bis hin zur Vorstellung vom be- freienden Tätigkeitsvermögen der Menge. Eine gefährliche Form, über den "Erfolg" der Kämpfe zu sprechen.

Falter: Auch wenn man sich darauf einigt, dass der Kapitalismus durch Kämpfe, Widerspruch, was weiß ich, verändert wurde - nicht alle wären so überzeugt, dass er zu seinem Vorteil verändert wurde.

Diefenbach: Genau. Ich werde den Eindruck nicht los, dass zwei antikapitalistische Erzählweisen mit ihren je eigenen Reduktionismen im Umlauf sind. Die eine geht davon aus, dass sich im Über- gang zum Postfordismus das Kampfniveau erhöht hat, weil die gesellschaftliche Regulation in einem solchen Aus- maß auf der biopolitischen Selbstregierung der Leute beruht, dass diese ganz bald auf die Idee kommen könnten, den Kapitalismus abzuschütteln. Auf der anderen Seite gibt es den romantischen Antikapitalismus, der Verlust, Entfremdung, Verfall diagnostiziert.

Falter: Welche politischen Praktiken haben denn heute das Zeug dazu, erfolg- reich zu scheitern?

Diefenbach: Ich rede nicht dem erfolgreichen Scheitern das Wort, sondern der Potenzialität von Erfahrungen und einer gewissen Möglichkeit, mit ihnen etwas anzufangen. In den letzten Jahren sind einige interessante politische Aktions- formen entstanden. Ich denke an das Auftauchen der Zapatisten in Mexiko, die eine Guerilla ohne Militarismus erfunden haben, an demokratisierte Militanzvorstellungen, mit denen vom Pathos der spontanen Aktion und der vereinzelten Eskalation abgerückt wurde, an die Vorstellung, dass das Politische ein asubjektives Gefüge ist, von "In den letzten Jahren sind einige interessante Aktionsformen entstanden" dem aus an vielen Stellen interveniert wird, und auch an die Vorstellung, dass politischer Aktivismus mit Vorsicht zu genießen ist, weil er die Gefahr in sich birgt, sich mit dem zu verwechseln, was im Eifer und Weitermachautomatismus von wenigen endet.

Vom 7.-9. Juli finden beim faetzig-camp eine ganze Reihe von interessanten Workshops statt. Das Camp wird in Sachsen durchgeführt (Aktuelles Platzänderungen bitte hier in Erfahrung bringen.

Zur Theorie und Praxis der Kommunikationsguerilla


Seit vor einigen Jahren das Handbuch der Kommunikationsguerilla mit dem schönen Untertitel "Jetzt helfe ich mir selbst" erschien, hat der Begriff der Kommunikationsguerilla (KG) eine schillernde Bedeutungsvielfalt erhalten. Dass KG jedoch weder Medienguerilla, Spaßguerilla noch Informationsguerilla bedeutet, wird Luther Blissett im Workshop "Zur Theorie und Praxis der Kommunikationsguerilla" zu vermitteln versuchen. Neben einer Einführung ins umkämpfte Feld der Zeichen, Symbole und deren Bedeutungen werden auch Beispiele vorgestellt, die zeigen, wie, wo und wann es Sinn machen kann sich mit den Techniken der KG ins gesellschaftliche Getümmel zu werfen: z.B. mittels Imagebeschmutzung, Identitätsdiebstählen, Subverstising oder einer wohl platzierten Torte.


GO-STOP-ACT! - Kreativer Straßenprotest

Karnevalartige Demonstrationen, Lachparaden, Reclaim The Streets-Parties, verschiedene Formen von Straßentheater, Aktionen mit Großpuppen, subversive Street Art mit Graffiti, Postern und Aufklebern, Demo-Blöcke in Pink und Silber, Radical Cheerleading, Samba-Gruppen und Demo-Marschkapellen, Flash Mobs, Critical Mass-Fahrradtouren, Radioballette, Sitzblockaden auf der Datenautobahn, überraschende öffentliche Videovorführungen ... die Palette kreativer politischer Aktionen hat in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum an Farben und Formen gewonnen.

Mit dem Entstehen der neuen globalen Protestbewegungen, sowie einhergehend mit der Verschärfung der neoliberalen Verhältnisse auch in unserer Gesellschaft, findet ein Wiederaufleben von Aktivismus auf breiter Basis statt: Alte Aktionsformen werden wiederentdeckt, vermischen sich, verändern sich in neuen Kontexten. Neue Aktionsformen entstehen aus dem Zusammentreffen von Aktivismus, Kunst und (neuen) Medien, entwickeln sich auf der Basis horizontaler Vernetzungen und Organisationsweisen.

Protest und Widerstand sind notwendiger denn je, und machen zudem Spaß, sind gewitzt, bunt, kreativ, aber auch unberechenbar, bissig und direkt.

Es gibt noch eine Alternativveranstaltung zu GO-STOP-ACT. Der WS wird vom gleichen Referenten angeboten und deshalb können wir das auf dem Camp "live" entscheiden, für welche Sache sich mehr Leute entscheiden (also Go-Stop-Act oder Aktionstheater).

Schnupper-Workshop Politisches Aktionstheater

Politisches Aktionstheater hat seinen Wurzeln in Elementen des Theaters der Unterdrückten, des Improvisationstheaters und anderer Theaterformen. Es geht darum, in einem kreativen Prozess gemeinsam in einer Gruppe eine Performance zu einem politischen Thema zu entwickeln, das bei der Aufführung im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit erregt, Interesse weckt und zum Nachdenken und Nachfragen anregt.

Mehr Infos:
Kreativer Strassenprotest (Blog)


Was ist das faetzig-camp?


Das Faetzig-Camp soll eine Mischform aus Sommercamp mit bekanntem Festivalcharakter und einem Camp mit politischer Zielsetzung sein. Dabei ist für die TeilnehmerInnen sowohl eine aktive Mitarbeit/ Mitgestaltung als auch eine passive Teilnahme am Campgeschehen möglich. Darüber hinaus soll ein Rückzugsort geschaffen werden, in dem sich jugendliche Subkulturen in vielen Facetten begegnen können, Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen können. Dabei war der zentrale Grundgedanke, wie bereits in den vergangenen Jahren: Alternative, selbstbestimmte Jugendkulturen sollen gefördert werden und sollen einen Gegenpol zu einer zunehmend rechtgerichteten Anschauung und sinnentleerter Spaßkultur darstellen.

In der spanischen El País (22.02.2006) können wir eine hübsche Analyse von Philosophieprofessors Daniel Innerarity (Universität Saragossa) lesen, nämlich über das, was die kulturelle Grammatik des repräsentativen politischen Systems charakterisiert:

"Der Philosoph Daniel Innerarity entschlüsselt die Mechanismen der politischen Konfrontation: "Der ritualisierte Gegensatz, der simpel und vorhersehbar ist, macht die Politik zu einem Kampf, in dessen Verlauf es nicht mehr darum geht, konkrete Themen zu diskutieren oder bestimmte Ziele zu erreichen, sondern darum, die Unterschiede, die nötig sind, um Macht zu erreichen oder zu behalten, in Szene zu setzen... Um zu verstehen, um was es wirklich geht, muss man bedenken, dass die Gegner nicht direkt miteinander sprechen, sondern sich an eine Öffentlichkeit wenden, von der sie Zustimmung wollen. Die Kommunikation zwischen den Akteuren ist nur eine Finte. Sie bietet nur eine Gelegenheit, in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeit zu erlangen, was das eigentliche Ziel ist. Es ist nicht das Ziel, mit dem Gegner zu diskutieren oder ihn zu überzeugen, sondern dem Diskurs einen plebiszitären Charakter zu geben, öffentliche Legitimation zu bekommen."

Ach ja, die Übersetzung haben wir aus dem Newsletter euro/Topics, aber auf dem Web gibt's da kein Archiv oder täuschen wir uns da?

An der Kölner "Kunsthochschule für Medien" (gar nicht so einfach rauszukriegen, in welcher Stadt sich diese Hochschule befindet - jedenfalls werte Mediengestalter, bei Webseiten ist der Inhalt nicht ganz belanglos) war Marcus S. Kleiner zu einem Gastvortrag über Kommunikationsguerilla eingeladen. Die Veranstaltung ist zwar gelaufen, wegen der prinzipiellen Bedeutung der Argumentation wollen wir den FreundInnen der Kommunikationsguerilla aber den Inhalt der Ankündigung (hier als pdf-File) nicht vorenthalten:

»Wir sehen theoretische Reflexion als Voraussetzung für eine subversive politische Praxis an, und auf der anderen Seite haben unsere Erfahrungen aus verschiedenen konkreten Aktionen wiederum die Theoriebildung beflügelt. Denn Subversion erfolgt nicht aus einer zahlenmäßigen Überlegenheit oder einer starren Theorie, sie lebt zugleich aus der Unberechenbarkeit, Wandelbarkeit und Vielfältigkeit von Aktionsformen und -feldern« (autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe/mittlerer neckar). Die Ansätze der Kommunikationsguerilla können allgemein als Versuch der aktionsbasierten Störung alltäglicher Medienkom munikationen
und Medieninszenierungen bzw. gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse sowie als elektronischer Widerstand, u.a. im Hinblick auf das Internet als Aktionsmedium, gegen gesellschaftliche und mediale Hegemonie verstanden werden. Kritik kann aus dieser Perspektive nicht allein bzw. nur sehr eingeschränkt diskursiv erfolgreich sein, sondern muss primär in eine Praxis überführt werden, die die Aporien, Widersprüche und Repressionsmechanismen der Medienkommunikationen und Medieninszenierungen sowie der Gesellschaft bzw. gesellschaftlicher Kommunikation durch spezielle Methoden und Praxen anschaulich macht. Hierdurch soll eine Gesellschafts- und Medienkritik kritisiert werden, die rein diskursiv operiert und sich in selbstreferentiellen Diskussionszusammenhängen erschöpft, ohne das Gros der Mediennutzer und Bürger zu erreichen.

Die von der Kommunikationsguerilla kritisierten Ansätze stellen somit letztlich nur Aufklärung für Aufgeklärte bzw. für über die Aufklärung der Aufklärung Aufgeklärte dar. Diese Form der Gesellschafts- und Medienkritik ist nicht nachhaltig und kann den Medienprozess und die Medienrezeption sowie gesellschaftliche Kommunikationsprozesse, wenn überhaupt, nur sehr fragmentarisch beeinflussen. In meinem Vortrag werde ich einen Überblick über Diskurs und Praxis der Kommunikationsguerilla geben sowie ihre Ansätze im Feld der Medienkritik verorten.«

Kommunikationsguerilla
Gastvortrag von Marcus S. Kleiner (Medien- & Kommunikationswissenschaftler) im Seminar Entzerrung
Atelier Grundlagen der Gestaltung, Filzengraben 8–10, 3. OG
Donnerstag, 10.11., 15:00


Hier sei der in der Tat der Hinweis auf das Handbuch der Kommunikationsguerilla erlaubt, wo die von M. Kleiner in der Ankündigung aufgeworfene Frage explizit abgehandelt wird.

Eine ganz andere Frage ist, inwiefern die Nachhaltigkeit neu zu bestimmen wäre. Es geht dabei um Verschiebungen in der kapitalistischen Produktionsweise selbst. Nämlich inwiefern die Nachhaltigkeit der Kritik der KG nicht neu zu bestimmen wäre. Vermutlich ist Nachhaltigkeit auch der falsche Begriff. Wenn die kapitalistische Ökonomie immer mehr auf Brands und Images abhebt, wäre zu diskutieren, ob nicht genau hier strategisch anzusetzen ist und Imageverschmutzungen als Teil einer nachhaltigen Strategie zu konzipierbar sind. Darüber denken wir im Moment nach und dazu werden wir uns in absehbarer zeit auch äußern. Erste Formulierungsversuche finden sich im Text "Imagebeschmutzung. Macht und Ohnmacht der Symbole" in HKS 13 (Hg.), vorwärts bis zum nieder mit. 30 Jahre Plakate unkontrollierter Bewegungen, Assoziation A, hier: S. 122. "Zur politischen Ökonomie der Bilder und Symbole".

Manchmal stößt man erst nach geraumer Zeit auf bestimmte Elaborate, die in abgelegenen Zeitschriften zu finden sind. Ein solches Projekt ist sicherlich das Wildcat-Zirkular. Im Wildcat-Zirkular Nr. 62 - Februar 2002 - S. 32-36 findet er sich wieder, dieser besserwisserische Hegel-Marxismus, der soviele Projekte der deutschen Linken (ob nun anti-deutsch oder verwaltungsoperaistisch) auszeichnet. In einem Text mit dem Titel "Zur Kraft der Situationistischen Kritik und ihrer Rezeption in Deutschland" wird erstmal alles - zurecht oder zu unrecht - abgestraft, dass dem eigenen sektiererischen Blick auf Arbeiterklasse etc. nicht entspricht. Wobei sich der Text nicht entscheiden kann, ob er nun die richtige Lesart von SI und Debord für den Wildcat-Operaismus reklamieren soll oder die ganze Linie nicht passt. Im Kontext von Subversionsstrategien lesen wir dann die übliche uninspirierte Kritik in Sachen Werbung:

"Teilweise wirken auch die Subversionsstrategien der SI und vor allem ihrer Nachfolger lächerlich [5]. Längst hat die Werbeindustrie das situationistische Motiv der Verfremdung aufgenommen, und wo die Situationisten als Subversionsstrategie noch Werbe-Girlies Marx-Zitate in den Mund legten, hat die Werbeindustrie selbst das Situationen-Schaffen, das Unvorhersehbare, die Lüste und die Revolution zu Werbezwecken entdeckt. Zeichen sind in der Tat austauschbar."

[5] Vgl.: autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe, Handbuch der Kommunikationsguerilla, Berlin-Göttingen 1995."


Abgesehen davon, dass das im Handbuch der Kommunikationsguerilla vorgeschlagene Konzept keine Strategie ist, und dass sich die kapitalistische Produktionsweise vor allem dadurch auszeichnet, (fast) alles für sich produktiv machen zu können, bekommen wir es schwarz auf weiss. Das Bedürfnis der Hegelmarxisten nach Totalität:

"Ab den 80er Jahren galt in weiten Teilen der Linken Kritik dieser Verhältnisse als die Addition von diversen Unterdrückungsmomenten. Verschiedene »Antis« sollten erfüllt sein, wenn keines fehlt, hatte man scheinbar die Gesellschaftskritik in der Tasche. Die Mitte der neunziger Jahre auftauchende »Antiglobalisierungsbewegung« war teilweise noch von diesem Politikverständnis geprägt, teilweise versuchte sie diesen Rahmen zu überschreiten, wollte wieder das Ganze kritisieren. Auch in Teilen der zerbröckelnden Antifa-Bewegung machte sich dieses Bedürfnis breit. Der Begriff der Totalität tauchte wieder auf, und es wurde Interesse an »Antikapitalismus« bekundet. Wenn sich der Begriff jedoch nur in die Kette der anderen Antis einreiht, dann ist damit eher eine neue Identitätspolitik angezeigt, als der Versuch, sich auf eine tatsächliche Bewegung zu beziehen, die sämtliche Formen unseres Lebens umzustürzen trachtet."

Es ist der Hegelsche Wahn, der die Linken hierzulande so borniert macht, es ist dieses Bedürfnis "Totalität" zu fassen, der sie ideologisch und mitunter auch praktisch über Leichen gehen lässt. Das ist der ideologische Schlüssel für diese unendlichen sektiererischen Spielchen, die als Kritik verbrämt werden. Das ist der Grund, warum wir nie Marxisten gewesen sind.

Denn es gibt nur ein richtiges Leben im Falschem.

kees stad (Autor des Tortenkapitels im Handbuch der Kommunikationsguerilla beschreibt auf Indymedia NL (20.11.2004) nochmals das Buch und zeigt anhand aktueller Beispiele, was das ist, die Theorie der KG:

Komende maandag staat de wekelijkse Alarm-avond in het Utrechtse ACU in het teken van Nieuwe Actievormen. (zie: http://www.acualarm.tk/)

Voor wie zich niet kan voorstellen wat er allemaal mogelijk is als je zelf aan de slag gaat, onderstaande schets van het verhaal over kommunikatieguerrilla (KG.

Er zijn zoveel manieren om de wereld daadwerkelijk aan te pakken, dat het onbegrijpelijk is dat men zich daar (in Nederland) niet massaal op stort. In plaats daarvan zet het merendeel van wat zich links noemt zich voornamelijk af en toe tot het lopen van een rondje-met-een-bordje. Dat levert dan massale optochten op, waarvan het effect echter onduidelijk is en hoogstwaarschijnlijk minimaal. Het schijnt sommigen een lekker gevoel te geven, waar uiteraard niets op tegen is.

Nee, dan Kommunikatie Guerrilla (KG). De uitvinders en -werkers van dit begrip (in het Duitse Handbuch der Kommunikationsguerilla: http://www.contrast.org/KG/) hebben meteen duidelijk gemaakt dat KG, net als demonstreren, niet meer dan een TAKTIEK is. Die je in kunt zetten als je bedenkt dat je in moet grijpen in de sociale verhoudingen. Kern van de KG-taktiek is dat je nadenkt over de verschillende manieren waarop macht en (massa)communicatie samenhangen en vervolgens een zwakke plek kiest om in te grijpen en de boel finaal op z'n kop te zetten. De effecten kunnen vergaand zijn. KG hoeft niet perse GRAPPIG te zijn (taarten), dat is een hardnekkig misverstand. KG kan ook best verschrikkelijk gemeen zijn, gewoon saai werk, of onbegrijpelijk.


Weiter bei Indymedia NL

Ein interessanter, aber auch bezeichnender Artikel (6.11. 2004) über einen zunehmenden Rückgriff auf Taktiken der "Kommunikationsguerilla von rechts" in den USA von LFO DEMON (Berlin) findet sich auf der Raggacore-Webseite.

Der Artikel verweist auf drei unterschiedliche Formen der Aneignung von KG-Techniken durch die Rechte in den USA und analysiert deren Gebrauch. Bis dahin ist der Text überaus informativ.

Allerdings ist der Tenor des Textes genau jener Subkultur-Denke verhaftet, die sich immer wieder abzugrenzen versucht, Grenzen zieht, ihr Terrain verteidigt und schließlich ihr bisheriges Lebenswerk entwertet sieht. Besonders deutlich macht das das Fazit der Darstellung:

"Die dargestellten Beispiele stellen nur einen kleine Ausschnitt der Fülle neuer, rechter Strategien dar.
Auf unterschiedlichen Ebenen kopieren heute rechte Gruppen kreative Taktiken, die früher nur von Linken benutzt wurden. Ebenso werden auch ehemals linke "Lifestyles" oder Codes umgedeutet wie das Beispiel der "konservativen Punks" in den USA zeigt [4].
Wenn auch mit Unterschieden zu den hier aufgezeigten Beispielen, gibt es in Deutschland die Übernahme einst linker Symbolik bzw. Organisierungsformen (Palituch, Che Guevara, Antifa-Logo und schwarzer Block) durch organisierte Nazis [5].

Was früher meist von Punkern und Autonomen ausging, die sich über das System und Politik als solches lustig machten, wird heute völlig systemkonform als Waffe gegen vermeintlich "Linke" benutzt. Subversiv ist das ganze in keinster Weise mehr- jegliches in Frage stellen des Systems wird vermieden; Aktionen werden als reiner Medienzirkus initiiert. Einen emanzipatorischen Hintergrund gibt es nicht. Sinnfrei entleert von jeglichem theoretischen Hintergrund geht es nur darum Spaß zu haben, indem man sich über den politischen Gegner lustig macht.
Der konservative Backlash hat gerade erst begonnen..."


Es ist eben nicht (mehr?) so, dass es gesicherte Zeichenbestände oder gar Werkzeuge des politischen Handelns gibt, die einen automatisch auf die Seite der Guten und Kreativen stellt. Die Ideologiekritik versucht das zwar immer noch zu suggerieren und sucht ständig nach jenem Punkt außerhalb des Systems, von dem sich dasselbe aushebeln lässt und man selbst auf der richtigen Seite steht. Das ist aber vergebenen Liebesmühe. Oder in Abwandlung eine bekannten Bonmots der Herren Adorno/Horkheimer: Es gibt kein sicheres Leben im Falschen.
Eine Technik und Vorgehensweise ist nicht per se richtig oder gut. Sie muss im jeweiligen Kontext und Zeitpunkt Sinn machen oder eine bestimmte emanzipatorische Funktion erfüllen. Das Problem sind also nicht so sehr die Rechten, die sind auf der Höhe der Zeit. Das Problem ist die Subkultur, die Lifestyle mit bestimmten Handlungsweisen fest verknoten will und dann immer wieder als Hase mit ansehen muss, dass der Igel ("das System"?) vor ihm oder zeitgleich angekommen ist . That's the way life is ...

Vgl. a. autonome a.f.r.i.ka. gruppe: Subkultur - Subversion - Supervision?

 

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